Freitag, 7. August 2009

Drei letzte Abende

Ich bin im Nachhinein sehr glücklich mein Blog über mein Jahr in Japan so ausführlich und sorgfältig geführt zu haben, weil ich so ein buntes Sammelsurium an Berichten, Bildern und für die Ewigkeit festgehaltener Erinnerungen habe. Doch wie halten jene ihr Jahr in Japan fest, die kein Tagebuch führen? Wie erinnern sie sich an all die Menschen, die sie hier getroffen haben? Natürlich hat jeder eine eigene Methode, macht sich selbst Gedanken, um jenes an Japan festzuhalten, was ihm wichtig ist. Der eine schießt tausende von Bildern, der andere zeichnet Geräuschkulissen auf, der nächste hält seine Eindrücke in Poesie fest, und wieder andere kaufen sich Andenken an jeden Ort, an dem sie waren. So vielfältig wie die Menschen sind, sind auch ihre Einfälle, doch eine Idee scheinen viele Personen gehabt zu haben: Ein Buch voller Erinnerungen zu führen. Viele Leute haben sich solch ein Buch zugelegt, das sie an ihre Freunde geben, damit diese sich darin in ihrem ganz eigenen Stil verewigen: Mit einer Zeichnung, herzlichen Worten, einer sachlichen Auflistung ihrer Daten oder einem Fließtext. Eine hübsche Idee, wenngleich man es sich als Besitzer doch recht einfach macht, weil man selbst keinen Finger krumm machen muss.
Gerade zum Ende des Semesters nimmt das Verteilen dieser Bücher ungeahnte Dimensionen an, weil viele Leute noch schnell einen Eintrag haben wollen, oder sich in den Büchern der anderen verewigen möchten. Ich besitze kein solches Buch, doch einige der Leute um mich herum und so kam es, dass sich in den letzten Tagen ein Buch nach dem anderen auf meinem Schreibtisch aufstapelte, ohne dass ich Zeit und Ideen hatte, um sie zu bearbeiten. Dort lag ein Buch von Milena, eines von Tomomi ("Zu sechst nach Kamakura", "Heiligabend in Soka"), eines von Lee und eines von ihrer thailändischen Freundin Vitano, mit der ich mich manchmal in der Mittagspause getroffen hatte ("Mein letzter Schultag"). Für Tomomi und Lee hatte ich schnell ein paar Worte in das Buch geschrieben, es fiel mir nicht schwer, bei Milena hatte ich eine gute Idee, doch für Vitano fiel mir nichts ein. Es wäre nicht so, als hätte ich sie nicht gemocht, die Zeit mit ihr nicht genossen, aber wir kannten uns kaum und so wusste ich nicht, was ich schreiben sollte. Alles was wir gemacht hatten, war das gemeinsame Verbringen der Mittagspausen. Und so lag das Buch auf meinem Schreibtisch, ohne dass mir eine zündende Idee kam. Und schließlich kam der Tag, an dem ich es zurückgeben musste.
"Morgen braucht Vitano ihr Buch wieder. Hast du endlich etwas geschrieben?"
"Nun, noch nicht wirklich."
Lee schaute ein wenig streng und seufzte.
"Schreib einfach einen simplen Satz und deine Adresse. Das genügt doch."
"Ich hätte aber gerne etwas Persönliches. Etwas, das nur ich eintragen würde."
Lee nickte beipflichtend.
"Natürlich wäre das gut, aber wenn dir nichts einfällt, dann mach es wie ich es gesagt habe. Es ist immerhin besser etwas Pauschales zu schreiben, als nichts. Und morgen muss ich das Buch wirklich dringend zurückgeben."
Ich nickte und ein wenig niedergeschlagen ging ich zurück in mein Zimmer, wo mich das Buch noch immer vom Schreibtisch aus anblickte.
An diesem Tag machte es in unserem kleine Freundeskreis im Wohnheim die Runde, dass die Britin Jessica einen Yukata, also traditionelle japanische Kleidung, angelegt hatte und für den Vormittag als Fotomodell bereit stand. Lee und Milena hatte bereits Bilder geschossen und so ging auch ich im Verlauf des Vormittags in ihr Wohnung und schoss gemeinsam mit ihr und Dan ein paar Bilder.
"Kommst du heute Abend mit uns in die Kneipe? Es ist unser symbolischer letzter Abend, schließlich fliegen wir bereits übermorgen."
"Ich bin nicht wirklich ein Kneipengänger."
"Und wenn wir dich ganz lieb bitten? Wir fühlen uns ganz einsam, wenn du nicht kommst."
"Ach quatsch, bestimmt nicht."
Dan räusperte sich im Nebenzimmer.
"Ich bin ganz einsam, wenn du nicht mitkommst."
Ich musste lachen und überlegte einen Moment. Warum ging ich nicht mit? Nur aus Prinzip ("Von Prinzipien, Bürden und der Suche nach sich selbst")? Und dann fiel mir der Kommentar eines Freundes ein:

Es gibt Leute, für die Spass haben nur über Parties und Alkohol geht und die sich nicht mehr an anderen Dingen erfreuen können. Und auf der anderen Seite der Skala gibt es Leute, die Parties absolut und grundsätzlich nicht mögen und sich nie überreden lassen einmal auf eine zu gehen und sich viel lieber an anderen Dingen erfreuen. Je nachdem aus welchem Blickwinkel man beide Gruppen betrachtet, sind sie entweder grundverschieden oder sehr, sehr ähnlich.
Vielleicht wäre das Leben von beiden Gruppen noch ein Stückchen reicher, wenn sie auch mal die andere Seite ausprobieren würden.

Dieser Kommentar hatte mich sehr zum Nachdenken gebracht. Warum sträubte ich mich so sehr dagegen mit den anderen auszugehen? Es waren meine Freunde, es war ihr letzter Abend, sie freuten sich auf mich und ich war nicht gezwungen Alkohol zu trinken. Warum also nicht? Und so sagte ich schließlich zu. Ich würde mit den Beiden ausgehen.


Bild1: Dan und ich gemeinsam mit Jessica im Yukata.


Bild2: Dan und ich noch einmal mit Jessica im Yukata, denn sie wünschte sich auch ein Foto von hinten.


Am Mittag traf ich auf Christa, die bereits mit dem Packen beschäftigt war.
"Heute ist mein symbolischer letzter Abend, da wollte ich noch einmal japanisch Essen gehen, bevor ich am Dienstag abreise. Möchtest du nicht mitkommen?"
"Oh gerne, aber heute Abend wurde ich leider schon von den Briten eingeladen. Kommst du denn nicht mit?"
"Nein, ich wollte lieber noch einmal traditionell essen, bevor es zurück nach Österreich geht. Aber mach dir keinen Kopf drum, ich gehe auch alleine."
"Das geht doch nicht. Du kannst doch nicht an deinem symbolischen letzten Abend alleine Essen gehen. Da lässt sich sicher etwas passend biegen."
Und es ließ sich tatsächlich etwas passend biegen, da die Briten bereits am Nachmittag ausgehen wollten: Erst in eine Kneipe, dann zum Singen. Und so sagte ich nur zur Kneipe zu, damit ich rechtzeitig wieder im Wohnheim war, um mit Christa Essen zu gehen. Und so packte ich die beiden letzten Abende in einen.
An diesem Nachmittag ging ich das erste Mal in eine Kneipe. Dan und Jessica nahmen mich ein wenig unter ihre Fittiche, während Milena sich mit den anderen Gästen vergnügte. Eigentlich dachte ich, dass es ein Abend nur für die Briten wäre, doch offensichtlich waren auch viele andere Personen gekommen, die Dan und Jessica gar nicht kannten. Und so verbrachten wir einen Großteil des Abends zu dritt. Es war alles neu für mich: Getränke an einer Theke bestellen, während des Sprechens einen Fernseher im Hintergrund laufen zu haben und sich nicht davon störe zu lassen, dass niemand wirklich auf seinem Platz saß. Ich hatte zu Beginn ein wenig Angst gehabt ausgegrenzt zu werden, weil ich keinen Alkohol trinke, doch recht schnell musste ich feststellen, dass dem nicht so war.
"Es ist okay, wenn du nicht trinkst. Wem fällt das denn auf? Ich bin immer ganz normal, auch wenn ich viel trinke."
Dan schaute mich von der Seite an und ich ließ meinen Blick über die anderen Anwesenden schweifen. Und er hatte recht. Ich fiel tatsächlich nicht auf, weil alle sich durch den Alkohol ganz unterschiedlich entwickelten: Einige kamen aus sich heraus, redeten und lachten, wie sonst nie, einige wurden peinlich lächerlich und machten sich zum Affen, während wieder andere noch genauso dasaßen wie zuvor. Es war ein bunter Haufen, bei dem man gar nicht mehr sagen konnte, wer nun getrunken hatte und wer nicht.
"Du hast recht. Wir verhalten uns beide wie immer, obwohl du schon einige Gläser getrunken hast und ich gar nichts."
Und dann stieß ich mit Dan an, er mit seinem Whiskey, ich mit meinem alkoholfreien Fruchtcocktail.


Bild3: Jessica und ihr Guinness. Guinness ist typisch irisch, wurde aber dennoch in dieser britischen Kneipe angeboten. "Sie spielen auch die ganze Zeit nur amerikanische Musik", meinte Jessica lachend. Offensichtlich sah man die Bezeichnung "britische Kneipe" nicht sehr eng.


Bild4: Da es ein Abschiedstreffen war, wurden Dan und Jessice reich beschenkt. Jeder erhielt eine CD und eine Collage mit Widmungen. Da ich im Vorfeld nichts von den Widmungen gewusst hatte, durfte ich mich nachträglich noch auf der Collage verewigen.


Bild5: Milena und der Japaner Hayato. Ich traf ihn heute das erste Mal und schloss ihn sofort ins Herz, weil auch er keinen Alkohol trank. Und so unterhielt ich mich recht oft mit ihm im Verlauf des Abends.


Bild6: Dan und ich verbrachten den Großteil des Abends miteinander. Ich glaube er hat sich wirklich gefreut, dass ich mitgekommen bin.


Film1: Ein kurzer Eindruck von unserer Runde in der britischen Kneipe.


Bild7: Die drei Personen, mit denen ich an diesem Abend am meisten Zeit verbrachte: Hayato, Dan und Jessica.


Nach knapp drei Stunden in der Kneipe brach ich zum Wohnheim auf und traf auf Christa, die bereit war zum Ausgehen. Und nachdem ich mich schnell umgezogen hatte, liefen wir im Nieselregen bis zu einem Sushirestaurant, das Christa sich für ihren symbolischen letzten Abend ausgesucht hatte. Wir waren beide nass, als wir angekommen waren, unsere Mägen knurrten und dennoch mussten wir warten, bis ein Tisch frei wurde. Aber wir nahmen es mit Humor, unterhielten uns und genossen unsere Zeit zu zweit.
"Ich bin froh, dass es so gekommen ist. Erst trinken und dann auch noch gut essen."
"Ja, ich konnte auch erst in Ruhe in meinem Chaos arbeiten, bevor ich nun endlich entspannt essen kann."
"Schade, dass wir uns erst so spät kennengelernt haben. Wir hätten bestimmt viel Zeit miteinander verbracht."
"Ja, da hast du recht. Aber wer sagt denn, dass wir in Zukunft nicht noch viel Zeit miteinander verbringen werden? So weit sind Österreich und Deutschland schließlich nicht voneinander entfernt."
Eine Weile redeten wir, dann wurde ein Tisch für Zwei frei und wir konnten endlich zulangen. Dreizehn Teller verschlang jeder von uns, doch wir wollten für einen Abend einmal nicht auf den Preis schauen. Wir nahmen uns alles, was uns schmackhaft erschien vom Band, empfahlen uns gegenseitig Sushi, die wir besonders lecker fanden und wagten uns gelegentlich auch einmal an exotischere Gebilde.
"Können wir für einen Moment ruhig sein? Ich möchte gerne die Geräuschkulisse einfangen. Drei Minuten lang."
Christa hatte ihr Mikrofon ausgepackt, mit dem sie bei den unterschiedlichsten Situationen Geräusche aufzeichnete, um für sich selbst Japan in Tönen einzufangen.
"Natürlich, kein Problem."
Und so saßen wir für über drei Minuten lang da, während des Mikrofon die Geräusche des Sushirestaurants einfing.
"Weißt du, ich finde es so toll, dass wir drei Minuten lang stillschweigend nebeneinander sitzen und mehr Spass haben, als mit den meisten Personen, während sie sprechen."


Bild8: Eine kleine Auswahl der Sushi, die ich an diesem Abend mit Christa aß.


Bild9: Christa ist beim gemeinsamen Essen guter Laune.


Film2: Ein Eindruck von dem Sushirestaurant, in dem ich an diesem Abend gemeinsam mit Christ war.


Als ich am späten Abend nach Hause kam, nahm ich mir Vitanos Buch zur Hand und legte mich auf mein Bett. Ich wusste, was ich zu schreiben hatte. Jeder schätzt in seiner Zeit in Japan andere Dinge, dokumentiert seinen Aufenthalt auf eine andere Weise, nimmt auf seine ganz eigene Art Abschied. Dabei geht es nicht darum die großen, die bewegenden Worte zu finden, es geht um die kleinen Dinge, mit denen wir uns alle im vergangenen Jahr gegenseitig verändert haben, jenen Momente, die ewig in Erinnerung bleiben. Und so bedankte ich mich bei Vitano für die kostbaren Minuten in der Mittagspause, die wir miteinander verbracht hatten. Kleine Momente, die ich wohl ebenso wenig vergessen werde wie meinen letzten Abend mit Jessica, Dan und Christa.

Donnerstag, 6. August 2009

Menschenmassen

Wenn man an Japan denkt, dann denkt man an Tokyo. Und wenn man an Tokyo denkt, dann denkt man an eine Stadt, in der sich Mensch an Mensch reiht: Überfüllte U-Bahnen, dicht gedränte Menschenmassen auf den Straßen und vielen Menschen, die auf kleinem Raum zusammenwohnen. Und auch wenn ich gerne Vorurteile gegen Japan mit meinen Erfahrungen widerlege, so muss ich doch zugeben, dass diese Bilder oft zutreffen. Natürlich nicht zu jeder Tageszeit und nicht an jedem Ort, aber man erlebt es doch: U-Bahnen, in denen man vor lauter Menschen kaum atmen kann, Menschenmassen, von denen man durch die Straßen Tokyos gerissen wird, ob man will oder nicht, und winzige vollgestopfte Wohnungen und Büros. Doch die Japaner haben sich daran gewöhnt. Das heißt keinesfalls, dass es den Leuten nichts ausmachen oder es ihnen gar gefallen würde, aber es heißt, dass sie einiges über sich ergehen lassen, wenn es nicht anders geht. Wenn man an einem überfüllten Platz ist, folgt man brav den Anweisungen der Ordnungskräfte, schließlich wissen jene am besten, wie man einen Stau auflöst. Wenn es einen überfüllten Zug gibt, dann lässt man sich für die Dauer der Fahrt gegen die Wand pressen und nimmt es in Kauf hin und wieder gestoßen zu werden, wenn jemand den Zug verlassen muss und sich durch die Wand aus Menschen kämpft, schließlich könnte man selbst jener sein, der sich von der Mitte des Abteils bis zum Ausgang durchkämpfen muss, ehe sich die Türen wieder schließen. Und auch an das Miteinander auf kleinem Raum gewöhnt man sich nach einiger Zeit, nimmt Rücksicht auf andere, schließlich will man, dass auch die anderen Rücksicht auf einen nehmen.
Ich habe vergleichbare Situationen bereits erlebt und denke, dass ich mich gut in die Masse der Japaner einfügen kann, ohne aufzufallen. Vorausgesetzt man sieht von meinem Äußeren ab. Dennoch bevorzuge ich es große Mengen an Menschen zu umgehen, da sie mir doch ein wenig unangenehm sind. Doch manchmal kommt man nicht umhin sich mitten ins Getümmel zu stürzen. Zum Beispiel heute, an meinem 324. Tag in Japan, als ich mich am Abend mit meinem Freund Tak und seiner Freundin Nobuko am Bahnhof von Shinozaki im Nordosten Tokyos treffen wollte, um mir ein populäres Feuerwerksfestival anzusehen. Tak hatte mir extra eine schnelle und kostengünstige Verbindung herausgesucht und eine Uhrzeit vereinbart, zu der wir uns vor dem besagten Bahnhof treffen wollten, doch eines hatten wir nicht einkalkuliert: Die Unmengen an Besuchern.
Schon als ich meinen Zug nach Shinozaki einfahren sah, wusste ich, dass es eine anstrengende Fahrt werden würde, denn der Zug war heillos überfüllt. Ob wohl all diese Menschen zum Feuerwerksfestival gehen wollten? Ich drängte mich in ein Abteil, klemmte mir meinen Rucksack zwischen die Beine und versuchte mich so schmal wie nur irgend möglich zu machen. Und dann schlossen sich die Türen und ich drückte mich gegen die Scheibe, darauf wartend, dass wir bald in Shinozaki einfahren würden. Doch es waren noch einige Stationen und in jeder stiegen noch mehr Menschen hinzu. Ein Mensch nach dem anderen quetschte sich in das überfüllte Abteil, drückte, schob und presste die Masse an Menschen vor sich zusammen. Und als ich schon dachte, dass es nicht mehr schlimmer werden könnte, fuhren wir in einen vollen Bahnhof ein. Sollten etwa all die Menschen, die dort am Gleis standen, noch in den Zug? Ja, sie sollten. Es war unerträglich, als zu jeder Tür des übervollen Zuges noch einmal rund ein dutzend Menschen einstiegen. Wobei man nicht wirklich von Einsteigen reden kann, da die Neuankömmlinge einfach nur mit roher Gewalt die Fahrgäste im Zug zusammenpressten. Die Menschen ächzten auf, stolperten fast einen Meter auf die andere Seite des Abteils und standen noch dichter gedrängt als Sardinen nebeneinander. Und letztlich gab es nur noch eine breite, dichte gedrängte Mauer an Menschen, die bis nach Shinozaki fuhr.
Ich konnte meinen Augen kaum trauen, als wir endlich am Zielbahnhof ankamen, denn so etwas hatte selbst ich in meinem gesamten Jahr in Japan noch nicht gesehen: Der gesamte Bahnhof war überfüllt, an allen Ecken standen Menschen, die nach draußen strömen wollten. Selbst die Neuankömmlinge hatten Schwierigkeiten alle aus dem Zug zu kommen, weil der Bahnsteig fast ebenso überfüllt war. Und so wurden die Menschen, die vorher in den Zug gequetscht wurden, nun auf dem Bahnsteig zusammengepfercht. Doch niemand murrte, beschwerte sich. Was hätte es auch gebracht? Stattdessen schüttelten einige den Kopf, telefonierten, schossen Fotos oder spielten mit tragbaren Spielkonsolen, während sie den Anweisungen der Bahnbeamten folgten. Und das tat auch ich: Ich ließ mir zeigen wo ich mich anstellen sollte, um welche Ecke ich zu biegen hatte und wo ich nicht hingehen durfte. Und obwohl es nur schleppend langsam voran ging, muss ich sagen, dass es durchaus durchdacht war, was sich die Ordnungshüter überlegt hatten. Ihre Methode zur Bewältigung des Besucherandrangs funktionierte, doch nicht nur wegen ihres Konzeptes, nein, auch weil alle Beteiligten mitmachten. Ich fragte mich insgeheim wie viele Deutsche sich wohl lauthals beschwert, wie viele sich wohl ihren Weg mit Ellenbogen durch die Masse an Menschen gekämpft hätten, um wenige Sekunden früher nach draußen zu treten und wie viele Menschen wohl das System der Bediensteten ausgehebelt hätten, indem sie auf dem kürzesten Weg zur Treppe geeilt wären, statt den Anweisungen zu folgen. Doch so etwas sah ich heute Abend nicht, stattdessen fügten sich alle ihrem Schicksal und versuchten das Beste daraus zu machen: Man unterhielt sich, lachte, telefonierte und lief einfach gemächlich mit den anderen mit.


Film1: Der überfüllte Bahnsteig am Bahnhof von Shinozaki.


Film2: Auch als ich schließlich den Bahnsteig verließ, war der Weg bis zur Ticketschranke heillos überfüllt.


Es dauert geschlagene fünfundzwanzig Minuten bis ich die Bahnstation verlassen hatte, dabei war es nur eine ziemlich kleine Station, deren Ausgänge ich im Normalfall binnen einer Minute gefunden hätte. Doch auch als ich schließlich im Freien stand, fand ich mich in einem zähen Menschenfluss wieder, der sich durch die Straßen Shinozakis gemächlich in Richtung des Feuerwerkes wälzte. Fast fünf Minuten lang schaute ich mich am Bahnhof nach Tak und Nobuko um, suchte die nähere Umgebung ab, doch es war zwecklos: In diesem dichten Gedränge konnte ich niemanden finden. Ich war zwar pünktlich in Shinozaki angekommen, doch wegen des dichten Gedränges, stand ich erst mit zwanzig Minuten Verspätung vor dem Bahnhof. Vielleicht waren Tak und Nobuko bereits vorausgegangen, dachte ich mir und folgte dem Fluss der Menschen in Richtung des Festivals. Und während ich versuchte einen Blick auf alle Personen am Wegesrand zu werfen, um wie durch ein Wunder doch noch Tak oder Nobuko zu treffen, begann in einiger Entfernung bereits das Feuerwerk.


Film3: Die gefüllten Straßen Shinozakis, während im Hintergrund bereits das Feuerwerk begonnen hat.


Aufgrund der Erfahrungen, die ich vor einer Woche beim Feuerwerksfestival in Asakusa gesammelt hatte ("Feuerblumen"), wusste ich dass das Feuerwerk mehr als eine Stunde dauern würde und lief dementsprechend gemächlich mit den anderen Gästen zum Zentrum des Festivals. Immer mehr und mehr Menschen sah ich auf dem Boden, am Straßenrand und auf freien Parkplätzen sitzen, doch ich lief immer weiter, immer gespannt zu erfahren, wo all die Menschen hinlief, neben denen ich bereits seit dem Bahnhof ging. Und so näherte ich mich letztlich einem großen Damm, auf dem hunderttausende von Menschen saßen und standen. Ich kann mich nicht erinnern jemals so viele Menschen auf einem Fleck gesehen zu haben. Auf den Wegen, auf den ausgebreiteten Planen, an den Absperrungen, überall standen die Besucher, um einen Blick auf das Spektakel am Himmel zu werfen. Doch ich lief immer weiter, immer den anderen nach, während ich im Gehen mit meiner Kamera versuchte das Feuerwerk einzufangen.


Film4: Ich war bereits fast am Ziel, als ich ein letztes Mal ein kurzes Video von den Menschenmassen am Damm aufnahm.


Letztlich überquerte ich den Damm und stand auf der anderen Seite vor einem riesigen Sportfeld, auf dem das Feuerwerk stattfand. Noch immer folgte ich den Menschen, die sich allmählich an den Hängen des Dammes verteilten, doch im Gegensatz zu ihnen lief ich an der Absperrung entlang, um dem Feuerwerk so nah wie nur möglich zu sein. Immer weiter. Und letztlich stand ich genau davor, fast schon darunter. Der Weg, auf dem ich stand, war ein Durchgangsweg, an dem man nicht stehenbleiben sollte, doch das kümmerte außer einem hilflosen Bediensteten niemanden. Mit dutzenden von anderen Japanern stand ich an vorderster Front und bestaunte das Feuerwerk aus nächster Nähe, während hinter uns der Bedienstete immer wieder rief, dass wir doch bitte weitergehen sollten, fast eine Stunde lang. Doch auch das können Japaner gut: Kollektiv ignorieren, denn solange man in einer Gruppe steht, können einem die Ordnungskräfte nichts anhaben. Und so schrie sich der Bedienstete mit seinem immergleichen Satz die Lunge aus dem Hals, während direkt neben ihm das Feuerwerk knallte und krachte. Doch ich stellte mich dumm, spielte den Ausländer, der kein Japanisch konnte und filmte ungestört, die Einheimischen machten es ja schließlich auch. Und die Japaner? Sie standen neben mir und filmten ebenfalls, denn was ein Ausländer durfte, durften sie ja auch. Und so legitimierten wir uns gegenseitig und irgendwann gab der Bedienstete dann auf, stellte sein Rufen ein und machte das, was alle machen: Sich das Feuerwerk ansehen.


Film5: Impressionen vom Feuerwerk. Im Hintergrund hört man den Bediensteten, der verzweifelt probiert die Leute zum Weitergehen zu bewegen.


Film6: Impressionen vom Feuerwerk.


Bild1: Da ich so nah am Geschehen stand und keinen Zoom benutzen musste, sind sogar einige meiner Aufnahmen etwas geworden.


Bild2: Impressionen vom Feuerwerk.


Bild3: Impressionen vom Feuerwerk.


Bild4: Impressionen vom Feuerwerk.


Film7: Impressionen vom Feuerwerk.


Film8: Impressionen vom Feuerwerk.


Bild5: Mein persönliches Highlight waren diese funkelnden roten Lichter. Man sieht sie gegen Ende des letzten Videos noch einmal auf Video.


Film9: Es wird auf dem Video nicht ganz deutlich, aber hier konnte man die japanische Flagge am Himmel sehen: Weiß mit einem roten Punkt in der Mitte.


Film10: Impressionen vom Feuerwerk.


Film11: Wie durch ein Wunder konnte ich mit dem letzten bisschen Speicherplatz das große Finale bis zu Ende aufnehmen. Wer genau hinhört, wird bemerken, dass es mit Musik untermalt wurde.


Das Feuerwerk war atemberaubend, anders kann man es gar nicht sagen. Und auch wenn ich Tak bis zu meiner Rückfahrt nicht finden konnte und den Abend letztlich alleine verbracht hatte, war ich ihm doch dankbar dafür mir den Tipp für dieses Spektakel gegeben zu haben. Mit einem seeligen Lächeln lief ich somit zurück zum Bahnhof, der genauso überfüllt war wie noch vor knapp einer Stunde, und fuhr mit einer kleinen List nach Hause: Da fast alle Fahrgäste in die eine Richtung fahren mussten, betrat ich einen Zug, der in die entgegengesetzte Richtung fuhr, und stieg bereits nach einer Station in einen Zug um, der wiederum in meine Richtung fuhr. So saß ich letztlich eine Station früher in dem überfüllten Zug und konnte mich entspannt in meinen Sitz kuscheln, während die anderen Fahrgäste sich wieder dicht an dicht drängen mussten. Natürlich war ich ein wenig traurig, dass ich Tak nicht gesehen hatte, schließlich war es vielleicht die letzte Möglichkeit gewesen ihn noch einmal vor der Abreise zu treffen, doch ich nahm mir fest vor alles zu tun, um ihn irgendwie doch noch zu treffen. Und so fuhr ich optimistisch zurück nach Soka.

Als Milena mal andere Bilder machen wollte

Wenn man durch Japan läuft, trifft man immer wieder auf kleine Kabinen, die wie Passbildautomaten aussehen. Doch es sind keine. Sie sind viel zu bunt, haben keine Bank zum Setzen und Positionieren und besitzen an einer Aussenseite einen mysteriösen Touchscreen, an dem man zu zweit sitzen kann. Wer sich mit der geheimnisvollen Kabine nicht auskennt, wird auch mit dem großen Aufdruck purikura nichts anfangen können, was die japanisierte Variante des englischen Wortes print club ist. Was soll das sein?
Die Antwort ist ebenso einfach, wie auch verwirrend: Es handelt sich um Kabinen, in denen man sich gemeinsam mit Freunden fotografieren lässt und anschließend die Bilder nachbearbeiten kann. Was sich wie ein lokales Bildbearbeitungsprogramm anhört, ist in Realität ein Produkt der japanischen Populärkultur, das regen Zuspruch bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen findet. Mit einigen Freunden drängt man sich in die Kabine, lässt sich Backe an Backe oder in ausgefallenen Posen ablichten und bearbeitet die Bilder anschließend, indem man dem Foto knallige Rahmen, Texte und allerlei bunte Bildchen hinzufügt. Das Ergebnis ist dann ein ziemlich farbenfrohes und auch ziemlich kitschiges Bild von sich selbst und seinen Freunden. Überladen, aber nichtsdestotrotz doch eine nette Erinnerung. Und so ist es bei jungen Leuten sehr verbreitet mit guten Freunden diese fixen Bildchen zu erstellen, um fortan eine bunte, kleine Erinnerung im Portemonnaie herumtragen zu können, schließlich kann man die selbstgestalteten Fotos sofort mitnehmen.
Ich muss sagen, dass ich nie wirklich viel für diese allgegenwärtigen purikura übrig hatte, besaß ich doch lieber ein schönes Gruppenbild auf meiner Kamera, statt einem kitschigen Minifoto im Portemonnaie. Doch zum Ende meines Japanaufenthalts ließ ich mich von Milena überreden als Erinnerung an unser Japanjahr doch einmal solche Bilder mit einigen engen Freunden zu machen. Warum auch nicht, dachte ich mir. Ein paar amüsante Erinnerungen an meine Freunde hier in Japan können doch gar nicht verkehrt sein. Und so trafen sich die Briten Jessica und Dan, Lee, Milena und ich auf Milenas Initiative hin am Vormittag meines 323. Tages in Japan, um zu fünft in einem nahgelegenen Kaufhaus purikura zu schießen.
Es war schon ein kleines Abenteuer sich zu fünft in die Kabine zu drücken und so zu positionieren, dass jeder auf dem Bild halbwegs zu erkennen war. Und das alles innerhalb eines recht knapp bemessenen Zeitlimits. Nur zu oft wuselten wir aufgescheucht durch die kleine Kabine und versuchten ein lustiges Gesicht zu machen oder eine lustige Pose einzunehmen, während der Countdown von fünf abwärts zählte. Und so schnell der Spuk begonnen hatte, war er auch wieder vorbei und wir kamen aus der Kabine gelaufen, als hätten wir für eine Minute lang Extremsport getrieben. Doch es war noch nicht vorbei, denn nun begann der kreative Teil: Dan und ich setzten sich an den Touchscreen an der Außenseite der Kabine und begannen dem Bild allerlei bunten Kitsch hinzuzufügen. Da ich dies zuvor allerdings noch nie gemacht hatte, standen mir Jessica und Milena mit Rat und Tat zur Seite und erklärten mir in knappen Worten die Möglichkeiten der Bildbearbeitung. Und so saßen Dan und ich einige wenige Minuten gemeinsam an dem Bildschirm und verschönerten unserer Schnappschüsse unter reger Beteiligung der anderen drei, bis das Zeitlimit abgelaufen war. Die ganze Prozedur, also Bilder schießen und bearbeiten, wiederholten wir noch ein zweites Mal, dann hatten wir erst einmal genug Bildmaterial, um uns aneinander zu erinnern.
Auch wenn ich den purikura ein wenig kritisch gegenüber gestanden hatte, war ich letztlich doch freudig ein paar kleine Bilder von meinen Freunden in meinem Portemonnaie tragen zu können. Dabei sind es nicht nur die Bilder an sich, die mich jedes Mal lächeln lassen, wenn ich sie ansehe, nein, es sind vor allem die Erinnerungen, die mit ihnen verbunden sind: Wie wir die Bilder aufgenommen, uns in die Kabine gedrängt und schließlich in Partnerarbeit unsere Schnappschüsse bearbeitet haben. Es sind Moment wie jene gewesen, in denen mir wieder einmal bewusst geworden ist, welch gute Freunde ich hier doch gefunden habe. Und ich danke Milena von ganzem Herzen dafür, dass sie mich an jenem Tag dazu überredete purikura zu schießen.


Bild1: Jessica und Dan bei der Bearbeitung der Bilder am Touchscreen, während Milena und Lee beratschlagend daneben stehen.


Bild2: Lee, Jessica, Dan, Milena und ich.


Bild3: Zu viert mit unseren Dokkyo-Shirts, denn mittlerweile besitzt sie fast jeder. Jessica trägt mein blaues Dokkyo-Shirt, weil sie kein eigenes pinkes T-Shirt besitzt.


Bild4: Weil Dans Dokkyo-Shirt in der Wäsche war, wollte er nicht mit auf unsere Gruppenbilder mit den Dokkyo-Shirts. Darum versuchten wir ihn mit Schieben und Ziehen auf das Bild zu bekommen, wobei letztlich dieser Schnappschuss entstanden ist. Immerhin ein kleines Stück Hemd in der Ecke rechts unten ist von Dan auf dem Bild zu sehen.


Bild5: Es sind die spontanen Aktionen, die den großen Reiz beim Schießen der Fotos ausgemachen. Beispielsweise als Dan unerwartet Jessica auf die Backe küsste.


Bild6: Dies ist das Bild, an dem ich mit den vielen Bildchen und Accessoires herumgespielt habe, die man den Fotos hinzufügen kann. Ich finde es ist eine hübsches Bild voller schöner Erinnerungen geworden.

Under the sea

Es gab einige Ausflüge, die Lee und ich für unsere letzten Wochen in Japan geplant hatten. Einige von ihnen hatten wir durchgesetzt, wie beispielsweise den Besuch des Feuerwerks in Asakusa ("Feuerblumen"), andere hingegen standen noch aus. So zum Beispiel der Besuch des großen Aquariums im Süden Tokyos, in dem man unzählige Meerestiere aus nächster Nähe beobachten kann. Ich war vor knapp einem halben Jahr bereits mit Katharina, Ninja und Dominic in einem Zoo gewesen, der sich insbesondere auf Meerestiere spezialisiert hatte ("Der Zoo im Hochhaus"), doch Lee war zu diesem Zeitpunkt in den U.S.A. gewesen und hatte somit nicht die Chance gehabt in Japan die zahlreichen Meerestiere zu begutachten.. Und so fuhren wir schließlich an meinem 322. Tag in Japan zusammen nach Shinagawa im Süden Tokyos, um das populäre Shinagawa Aquarium zu besichtigen.
Wir machten uns schon verhältnismäßig früh auf, was sich auszahlte, da wir in Shinagawa auf dem Weg zum Aquarium verloren gingen und nach knapp einer Stunde Fußmarsch durch die sengende Sonne überraschend wieder an unserem Ausgangspunkt, dem Bahnhof, ankamen. Doch auch als wir ein zweites Mal aufbrachen und uns vorher wirklich jede Biegung auf dem Weg vom Bahnhof zum Aquarium genauestens eingeprägt hatten, standen wir kurze Zeit darauf wieder vor dem gleichen Bahnhof. Wir nahmen es mit Humor, lachten über uns selbst und scherzten den Rest des Tages über den magischen Bahnhof von Shinagawa. Und irgendwann fanden wir dann mit fast zwei Stunden Verspätung schließlich das Aquarium und konnten einen interessanten Tag mit dem Betrachten von Fischen, Delphinen und vielen anderen Meerestieren verbringen.



Bild1: Fische im Shinagawa Aquarium.


Film1: Während ich die Krebse und die Anemonen filmte, sprach mich ein kleiner Junge an, weil er die Krebse ebenfalls so beeindruckend fand. Man hört ihn in diesem Video mit mir reden.


Film2: Ein Video von Meeresschildkröten und Rochen.


Bild2: Farbige Korallen, bei deren Anblick man sogleich die Korallenriffe dieser Welt retten möchte.


Bild3: Ein Kraken, der zerknäult in seinem Becken klebte.


Bild4: Aufgrund dieses Tunnels konnte man unter einem Becken mit allerlei Fischen und anderen Meerestieren umherlaufen und die Tiere durch die Scheiben betrachten.


Film3: Ein Video von einem Rochen und einer Meeresschildkröte. Zum Greifen nahe.


Film4: Ein Rundblick im Unterwassertunnel.


Bild5: Diese beiden großen Fische erinnerten mich irgendwie an ein altes Ehepaar. Lee und ich mussten lange Zeit über die beiden lachen.


Bild6: Unbeabsichtigt fotografierte ich diese riesige Meeresspinne mit Blitzlicht. Doch wenigstens hat man so einen Eindruck von diesen riesigen, furchterregenden Kreaturen, die gut einen Meter groß waren.


Film5: Im ersten Moment dachte ich wirklich, dass die Fische in diesem Becken tot seien, doch selbstverständlich handelte es sich nur um Flundern, die auf dem Grund lagen.


Film6: Ein dunkelgrüner Hummer saß in der Ecke dieses Beckens.


Film7: Die Quallen hatten es mir an diesem Tag wirklich angetan. Hier ist das Video von der ersten Art, die gemächlich durch ihr Becken schwamm.


Film8: Dies ist die zweite Art von Quallen. Sie düsten wir kleine Turbojets durch ihr Becken.


Film9: Und schließlich die dritte Art, die sich träge von der Strömung im Becken treiben ließen, während sie von farbigem Licht angestrahlt wurden. Ich war fasziniert davon, dass solche pulsierenden Beutel tatsächlich Lebewesen sind. Seit meinem Besuch im Shinagawa Aquarium, mag ich Quallen viel mehr als zuvor.


Bild7: Die Seesterne in diesem Becken durfte man unter der Aufsicht eines Angestellten berühren. Es war aufregend einen echte Seestern in der Hand zu halten. Er war einerseits hart und kratzig, andererseits aber doch sehr weich und verletzlich. Seesterne mag ich nun auch.


Film10: Ein Video von einigen Fröschen.


Film11: Die Dokumentation von einem Seepferdchen, das auf Reisen ging und wieder an seinen Stammplatz zurückkehrte.


Film12: Ein echter Zitteraal, dessen elektrische Stöße an einer Anzeige abgelesen werden konnten. Während des Videos hört man sogar das Signal, das immer dann ertönte, wenn der Zitteraal einen elektrischen Stoß von sich gab.


Film13: Clownsfische, die zwischen den Stacheln eines Seeigels umherschwammen.


Film14: Ein Video von einem furchterregenden Hai. Seit dieser Begegnung mit einem Hai habe ich weitaus mehr Respekt und Ehrfurcht vor diesen Jägern der Tiefe. Haie sind in Realität wirklich sehr furchteinflößend. Ein Kind stand sogar heulend vor dem Becken und versteckte sich hinter seinen Eltern.


Bild8: Ein Bild von dem Hai aus dem Becken.


Bild9: Kurz vor einer Delphin-Schau konnte man zwei Delfine durch eine Glasscheibe hindurch beobachten. Delfine sind wirklich sehr anmutige Tiere.


Bild10: Während der Delfin-Schau, die ich mit Lee besuchte, vollführten die Delfine ein Kunststück nach dem anderen. Zum Beispiel schwammen sie auf dem Rücken umher, wie man auf diesem Foto sehen kann.


Bild11: Die beiden Delfine sprangen gleichzeitig über eine Stange.


Bild12: Leider kann man nicht sehen wie hoch der Ball hing, den der Delfin aus dem Sprung heraus antippte, aber es war wirklich beeindrucken welche höhen diese Tiere bereits mit nur wenigen Metern Anlauf im Wasser erreichen können. Und natürlich auch wie zielgenau sie springen können.


Film15: Zum Abschluss der Delfin-Schau sprangen die beiden Hauptdarsteller noch einmal vor jeder Seite des Beckens empor, um sich von den Zuschauern zu verabschieden. Ich war wirklich beeindruckt davon, wie intelligent Delfine sind. Ich denke, dass ich sie seit meinem Besuch im Shinagawa Aquarium auch viel mehr mag.

Mittwoch, 5. August 2009

Christa und der Fisch

Es ist schon erstaunlich wie eng verbunden man sich einigen Personen innerhalb weniger Tage fühlen kann. Die Österreicherin Christa ist ein Paradebeispiel hierfür. Das erste Mal trafen wir uns bei dem Ausflug nach Kamakura vor wenigen Wochen ("Zu sechst nach Kamakura"), danach wanderten wir gemeinsam durch Odaiba ("Roboter und Technik in Odaiba") und schließlich picknickten wir am frühen Morgen zu zweit im Park von Soka ("Willkommen in den Philippinen!"). Es sind gerade einmal drei Treffen, bei denen wir uns kennengelernt haben, und schon sind wir zu dicken Freunden geworden. Immer wieder treffen wir uns kurz im Wohnheim, grüßen uns, wenn ich zu Milena gehe, und schicken uns gelegentlich E-Mails hin und her. Es ist wirklich erstaunlich wie ähnlich wir uns sind, wie ähnlich wir über viele Dinge denken, wie ähnlich unsere Lösungsansätze bei Problemen sind. Es gibt so viele Situationen, in denen wir uns anschauen und genau das Gleiche sagen, in denen wir uns beipflichten oder in denen wir ähnliche Bedenken haben. Und so genießen wir beide die Gegenwart des anderen, da wir wissen wie wir uns gegenseitig kleine Freuden machen können.
Zum Beispiel heute, als ich von Milena und Christa zum Essen eingeladen wurde. Nicht zu irgendeinem Essen in einem Restaurant, nein, zu einem selbstzubereitetem Abendessen in Milena und Christas Wohnung, also direkt nebenan.
"Wir waren gestern in aller Frühe auf dem Fischmarkt und haben ganz frischen Fisch geholt, den wir aufbrauchen müssen. Und da ich mir habe erklären lassen, wie man ihn zubereitet, bist du heute herzlich zu Milena und mir zum Fischessen eingeladen."
Natürlich sagte ich zu, nicht nur weil ich Zeit mit Milena und Christa verbringen konnte, oder weil ich gerne Fisch aß, sondern auch wegen eines Wunsches, den ich bereits seit Beginn meines Japanjahres gehegt hatte. Damals hatte ich mir vorgestellt, dass ich mich mit meinen Freunden öfters zum Kochen treffen, wir uns austauschen und voneinander lernen würden, also einfach einige gemeinsame Abende oder Mittage verbringen. Doch Katharina hatte immer nur gesagt, dass sie so gar nicht kochen könne, Lee wollte nicht kochen, weil sie der Überzeugung war, dass ihr Essen niemandem schmecken würde, und mein Mitbewohner Yosuke kochte nicht, sondern ging lieber aus. Und so traf ich mich nur gelegentlich mit Shinya, meinem japanischen Freund in den ersten Monaten hier in Japan, zum gegenseitigen Kochen und zum gegenseitigen Austausch ("Stipendien, Schmetterlinge und Sushi", "Meisterkoch", "See ya, Shinya"). Doch schließlich fuhr Shinya in die U.S.A. und so starb allmählich die Idee vom gemeinsamen Kochen und Essen und ich gewöhnte mich daran für mich alleine Essen zuzubereiten, mir selbst einiges beizubringen. Zumindest bis heute, als unerwartet die Einladung von Christa kam.
Es war ein gemütliches und amüsantes Beisammensein, als Christa, Milena und ich zu dritt zu Abend aßen. Der Fisch, den Christa nach Anleitung einer Japanerin selbst zubereitet hatte, war vorzüglich und gemeinsam mit einer Schüssel Reis, einer Bittergurke und Brot saßen wir da und pickten auch noch die letzten Fischreste mit unseren Stäbchen vom Teller.
"Es ist gar nicht so schwer den Fisch zuzubereiten. Ich brauche nur jemanden, der es mir einmal zeigt und erklärt. Dann kann ich es mir fortan auch alleine zubereiten."
Ich nickte Christa zustimmen zu.
"Das ist bei mir genauso. Ganz genauso."
"Ich versuche aus jedem Land, in das ich reise, mindestens ein neues Rezept mitzunehmen. Das notiere ich mir dann und bereite es mir in Österreich zu. Mittlerweile ist schon eine kleine Sammlung zusammengekommen."
"Das ist eine tolle Idee. Mir geht es so ähnlich. Vieles, was ich hier in Japan gelernt habe, möchte ich auch gerne in Deutschland zubereiten. Ich habe mich so sehr an meine Okonomiyaki, meine Sushi oder andere simple Gerichte gewöhnt ("Von Amanatsu bis Tenpura"), dass ich mir im Moment kaum vorstellen kann, ohne sie zu leben. Ich werde definitiv einiges Kulinarisches aus meinem Japanjahr mitnehmen."
Und so tauschten wir uns noch eine Weile lang aus, ehe wir schließlich zu viert mit Lee zu einem kleinen abendlichen Spaziergang aufbrachen, um den Tag würdig abzuschließen.


Bild1: Christas selbstzubereiteter Fisch, den sie frisch auf dem Fischmarkt gekauft hatte. Er war so lecker, dass ich in Deutschland auch versuchen werde solch einen Fisch zuzubereiten.


Bild2: Milena und Christa hatten den Tisch in ihrer Wohnung für das Abendessen schön zurecht gemacht.


Bild3: Es war das erste Mal, dass ich Bittergurke gegessen habe. Und sie machte ihrem Namen alle Ehre: Sie war unglaublich bitter. Ich habe sie dennoch gegessen, weil ich mir dachte, dass sie sicher sehr gesund sein muss.

Dienstag, 4. August 2009

Willkommen in den Philippinen!

Noch während der Vorlesungszeit hatte meine Freundin Nikki bereits angekündigt, dass ihre Mutter aus den Philippinen zu Besuch kommen würde, ehe die beiden gemeinsam Japan verlassen und Nikki die folgenden Wochen in ihrer Heimat verbringen werde. Und so hatte Nikki mich herzlich dazu eingeladen vor der Rückreise in die Philippinen gemeinsam mit ihr und ihrer Mutter Essen zu gehen.
"Meine Mutter ist genau wie ich. Sie interessiert sich für fremde Kulturen und verschlingt ein Buch nach dem anderen. Du wirst sie mögen, da bin ich mir sicher."
Und weil Nikki überzeugt war, dass wir drei gut miteinander auskämen, sagte ich freudig zu, obwohl ich noch nicht genau wusste, wann das Treffen stattfinden würde.
So verging ein Tag nach dem anderen, schließlich fast drei Wochen. Und während dieser Zeit begann ich gemeinsam mit meiner Nachbarin Milena und deren Mitbewohnerin Christa einen Tagesausflug zu planen. Schließlich einigten wir uns darauf am Montag, Tag 319 in Japan, früh am Morgen aufzustehen, um bereits gegen Sieben Uhr am Bahnhof mit dem Zug abzufahren. Wir planten unseren Zielort, unsere Unternehmungen für den Tag, kauften alles Nötige ein und waren in Gedanken bereits verreist, als ich knapp zwei Tage vor dem geplanten Ausflug eine E-Mail von Nikki erhielt.
"Lass uns am Montag Abend treffen. Das ist mein letzter Tag in Japan."
Und so geriet meine gesamte Planung durcheinander. Ich hatte den Tagesausflug bereist fest eingeplant und konnte unmöglich abspringen. Deshalb schlug ich die einzige Alternative vor, die mir einfiel:
"Ich bin bis zum Abend weg, werde dich aber kontaktieren, wenn ich wieder nach Soka zurückgekehrt bin. Dann können wir gemeinsam ausgehen. Es kann aber später werden."
Ich war ein wenig traurig, dass ich nicht einmal die Gewissheit hatte meine Freundin Nikki noch ein letztes Mal vor ihrer Abreise zu sehen. So viel Zeit hatten wir im letzten Semester miteinander verbracht, dass es schade wäre, wenn wir uns weder persönlich voneinander verabschieden, noch uns ein letztes Mal treffen könnten. Und so schlief ich am Abend vor meiner Abreise mit einem etwas mulmigen Gefühl ein.
Am Montagmorgen, meinem 319. Tag in Japan, stand ich in aller Frühe auf und machte alles so, wie ich es am Vorabend geplant hatte: Ich bereitete mein Lunch-Paket vor, zog die zurechtgelegte Kleidung an, packte meine über Nacht aufgeladene Kamera ein und steckte alles in meinen Rucksack, was ich im Verlauf des Tages noch brauchen könnte. Bevor ich meine Wohnung verließ, überprüfte ich noch einmal meine E-Mails und fand überraschenderweise eine Benachrichtigung von Milena: Es herrschte schlechtes Wetter an dem Ort, den wir besuchen wollten, darum würde sie zu Hause bleiben. Ich blickte auf meine gepackten Sachen, auf die Uhr, die halb Sieben anzeigte, und zuckte die Schultern: Ich würde mich wie geplant mit Milenas Mitbewohnerin treffen.
Und tatsächlich stand ich kurz darauf mit Christa im Gang vor meiner Wohnung und gemeinsam überdachten wir unseren Ausflug. Im Regen wollten auch wir keinen ganzen Tag verbringen und ohne Milena wäre es sicher nur halb so amüsant, also entschieden wir uns trotz unserer Vorbereitungen, trotz unserer Planung, unseren Tagesausflug auf einen späteren Termin zu verschieben. Doch da wir bereits gepackt und bereit zum Aufbruch waren, entschieden wir uns dazu wenigstens einen frühmorgentlichen Spaziergang durch Soka zu unternehmen. Und so brachen wir auf, liefen bei sengender Sonne bis zur Flusspromenade, setzten uns in den Park von Soka und picknickten auf der Wiese, während wir den morgentlichen Aktivitäten der anderen Parkbesucher zusahen. Es war ein schöner Tag, obwohl es bereits vor Sieben Uhr drückend heiß war. Ich genoss es das Treiben so früh am Morgen zu erleben, denn dazu hatte sich mir noch nicht oft die Chance geboten. Ich war schon am Mittag, am Abend und sogar in der Nacht durch Soka spaziert, aber noch nicht in der Frühe. Und schon gar nicht in den Stadtpark, um inmitten des Grün zu frühstücken.
Knapp zwei Stunden verbrachte ich so mit Christa, tauschte mich scherzend mit ihr über die kleinen Unterschiede zwischen Österreich und Deutschland aus, über unsere Zeit in Japan und letztlich über unseren anstehenden Tagesausflug. Und obwohl wir uns zuvor kaum zu Gesicht bekommen hatten, sprachen wir als seien wir alte Bekannte, als hätten wir uns schon seit Ewigkeiten gekannt. Wir waren auf einer Wellenlänge, konnten uns über alles austauschen, ganz ohne peinliche Pausen, ganz ohne verkrampftes Suchen nach Gesprächsthemen. Es sprudelte einfach aus uns heraus. Wer wir waren, was wir machten, was wir mochten, was wir werden wollten. All diese Themen, die man für gewöhnlich in monatelanger Freundschaftsarbeit aufarbeitet, sprachen wir in diesen zwei Stunden durch. Und auch wenn es komisch klingen mag, haben sich Christa und ich in diesen wenigen Stunden am Morgen besser kennengelernt, als viele Personen, die bereits seit Jahren Kontakt haben.


Bild1: Eine Gruppe von Jungen, die im Park von Soka Frühsport betrieb.


Bild2: Hier rannten sie schließlich Staffellauf um die gesamte Parkanlage herum. Und das trotz der drückenden Hitze am frühen Morgen.


Bild3: Hundebesitzer beim Gassi gehen. Ja, es waren viele Hundebesitzer am frühen Morgen unterwegs.


Bild4: Ein Blick auf mein Lunchpaket: Reis mit Sojasoße und Algen. Christa und ich haben kräftig zugelangt.


Bild5: Kurz vor unserem Rückweg zum Wohnheim packte Christa unsere Sachen zusammen.


Bild6: Ich habe bereits über die großen Schmetterlinge in Japan geschrieben, denen ich gelegentlich begegne ("Sonnenzeit"). Und auf dem Rückweg gelang es mir doch tatsächlich einen zu fotografieren. Doch natürlich sieht er auf dem Foto gar nicht so groß aus, wie er tatsächlich ist.


Bild7: Blumen in Soka.


Bild8: Eine wunderschöne Sonnenblume, die nahe des Wohnheims blühte. Im Hintergrund sieht man Christa.


Da ich nun den Rest des Tages Freizeit hatte, kontaktierte ich sogleich Nikki und sagte ihr für das gemeinsame Abendessen zu, worüber sie sich riesig freute. Und so verließ ich zur Dämmerung mein Wohnheim, traf mich gemeinsam mit Nikki und ihrer Mutter Peng um Sieben Uhr abends in Soka und gemeinsam liefen wir in ein kleines Restaurant in der unmittelbaren Nachbarschaft.


Bild9: Es dämmerte bereits zu Abend, als ich das Wohnheim verließ.


Ich war zunächst ein wenig nervös Nikkis Mutter zu treffen, kannte ich sie doch nur vom Hörensagen, doch dann besann ich mich, dass sie sehr nett sein müsste, schließlich würde Nikki sie mir sonst nicht vorstellen. Zudem hatte ich im Verlauf des letzten Jahres gelernt auf Menschen zuzugehen ("The story of Dan and Dave") und ging mit Selbstvertrauen und Selbstsicherheit der Frau an Nikkis Seite entgegen. Und es gab wirklich nichts, weswegen ich hätte nervös sein müssen, denn Peng war ein sehr freundlicher und aufgeschlossener Mensch, der genau auf Nikkis Beschreibung passte: "Meine Mutter ist genau wie ich. Sie interessiert sich für fremde Kulturen und verschlingt ein Buch nach dem anderen.". Und obwohl Peng mehr als doppelt so alt wie Nikki war, saßen wir wie drei gute Freunde beieinander und tauschten uns über die verschiedene Kulturen aus: Über die Philippinen, über Japan, über Deutschland und über die gesamte Europäische Union.
"Ich lese so viel über die Europäische Union. Es muss wirklich wunderbar sein so frei zwischen den vielen verschiedenen Ländern reisen zu können, so ganz ohne Grenzen. Soetwas kennen wir in den Philippinen gar nicht, unser Pass ist nichts wert. Es ist schon immer ein Riesenaufwand nur für einen kurzen Urlaub nach Japan zu kommen."
Und ein wenig wurde mir an diesem Abend bewusst, wie gut es mir doch in Deutschland, in Europa ging. Es gibt so viele Dinge, die unser Leben, das Reisen, die Völkerverständigung erleichterten, die uns schon vollkommen selbstverständlich geworden sind. Darum fasste ich an diesem Abend den Entschluss in Zukunft ein wenig mehr die Vorzüge der Europäischen Union zu nutzen und viel öfter ins Ausland zu reisen, viel mehr zu sehen, viel mehr mit anderen Kulturen in Kontakt zu treten. Denn was braucht man schon? Ein wenig Geld und einen Rucksack, dann kann man schon von Südspanien bis nach Island und von dort nach Zypern reisen. Warum macht man dies nur so selten? Es ist schließlich nicht so, als gäbe es nichts zu sehen. Vielleicht braucht man sie, diese Sicht von Fremden, von Aussenstehenden, um schätzen zu lernen, was man hat.
An diesem Abend lud mich auch Nikkis Mutter Peng noch einmal in die Philippinen ein.
"Du bist bei uns immer herzlich willkommen. Und nimm auch gerne Freunde oder Familie mit. Für Europäer ist es ohnehin so günstig in den Philippinen. Wir freuen uns über jeden, der unser Heimatland kennenlernen möchte."
"Vielen lieben Dank. Ich werde auf jeden Fall einmal zu Besuch kommen. Vielleicht nicht dieses Jahr, vielleicht auch nicht nächstes Jahr. Aber ich werde definitiv kommen. Versprochen."
Und dieses Versprechen sagte ich nicht nur dahin, nein, ich meinte es wirklich so. Genau so, wie ich es auch Nikki vor wenigen Wochen versprochen hatte in Kontakt zu bleiben ("Band der Freundschaft").


Bild10: Ein Bild von Nikki, ihrer Mutter Peng und mir in den kleine Restaurant, in dem wir zu Essen waren. Es ist eine Erinnerung an einen wunderschönen Abend.


Durch die warme Sommernacht liefen wir bis zu Nikkis Wohnung, wo mir Peng überraschend ein kleines Geschenk überreichte.
"Es ist nichts Besonderes. Nur ein paar getrocknete Mango aus den Philippinen. Eine kleine Aufmerksamkeit."
Ich konnte gar nicht in Worte fassen wie glücklich ich war. Es war solch eine liebe, herzliche Geste, dass mir die Worte fehlten. Gerührt nahm ich die kleine Tüte mit den getrockneten Früchten an mich und bedankte mich, doch Peng winkte lächelnd ab.
"So besonders ist es nun auch nicht."
Sie lächelte mir noch einmal zu, dann drehte sie sich um und ließ Nikki und mich alleine zurück.
"Ich bin so glücklich, dass du heute doch noch kommen konntest."
"Ja, ich auch. Ich hatte so viel Spass mit dir und deiner Mutter. Das sollten wir in den Philippinen wiederholen."
Nikki lachte auf.
"Oder in Südamerika, wenn wir uns Machu Piccu ansehen."
Eine Weile unterhielten wir uns, schmiedeten an unserer Zukunft, bauten Wolkenschlösser und erzählten uns von unseren Träumen. Und dann war es schließlich so weit.
"Ich sage nicht Tschüss. Nicht auf Wiedersehen. Das sagt man immer nur, wenn man sich trennt. Aber wir bleiben zusammen, bleiben in Kontakt."
"Ja, das bleiben wir. Das bleiben wir ganz sicher."
"Darum sage ich: Bis später."
Ich musste lächeln. Noch einmal drückten wir uns fest, dann ging ich langsam davon.
"Bis später! Wir sehen uns wieder."
"Na klar!"
Und mit einem Lachen und einem Lächeln trennten sich unsere Wege. Es war kein trauriger Abschied, keine schmerzhafte Trennung, die im Vordergrund stand, nein, es war die Gewissheit einen Freund gefunden zu haben, mit dem man in Kontakt bleiben und den wieder sehen würden. Nicht vielleicht, sondern mit Sicherheit.
Irgendwo.
Irgendwann.