Donnerstag, 23. April 2009

Ein Tag in Yokohama - Wolken und Meer

Es ist Tag 190 in Japan und es ist nun schon fast eine Woche vergangen, seit ich aus Kyoto zurückgekehrt bin. Und da sich allmählich auch Dominics Japanaufenthalt dem Ende zuneigt, fanden wir, dass es wieder an der Zeit war etwas zu unternehmen, so lange sich uns dazu noch die Zeit bieten würde. Darum fuhren wir heute gemeinsam mit Katharina und Ninja nach Yokohama, einer Hafenstadt, die ein wenig südlich von Tokyo am Meer liegt. Was ich dort gesehen und erlebt habe, möchte ich in diesem und im folgenden Eintrag mit vielen Bildern illustrieren.


Bild1: Am Bahnhof von Yokohama hatte sich Dominic, Katharina und ich zu einer vereinbarten Uhrzeit mit Ninja verabredet. Da wir Ninja aber nirgends an den Gleisen finden konnten, als wir ankamen, nutzte ich die Wartezeit um das erste Mal ein Bild vom Inneren eines Bahnhofs zu machen. Viel kann man nicht erkennen auf der Informationstafel am Bahnsteig, außer dem Schriftzug des Bahnhofs: Yokohama. Im Hintergrund sieht man auf dem Boden auch Linien, in denen man sich einreiht, wenn eine Bahn einfährt. Diese hält stets so an, dass sich vor den Warteschlangen immer auch die Türe befinden. Leider ändert diese scheinbare Ordnungsliebe nichts daran, dass sich alle Fahrgäste gleichzeitig in die Bahn drücken, um einen Platz zu bekommen, wenn sich schließlich die Türen öffnen.


Bild2: Nachdem wir Ninja schließlich fanden, sie war bereits eine Minute früher angekommen und hatte das Gleis schon verlassen, verließen wir vier gemeinsam den Bahnhof und standen zunächst einmal im Nichts. Nun, es war zwar Yokohama, aber eben nicht der Teil der Stadt, den man sich bei einem Besuch normalerweise anschauen würde, dazu hätten wir nämlich noch einige Stationen weiterfahren müssen. Und so kramte ich den Reiseführer, den ich glücklicherweise am Morgen eingesteckt hatte, hervor und lotste uns die kommenden eineinhalb Stunden quer durch Wohn- und Gewerbegebiete, bis wir schließlich in den Hafengebieten ankamen.


Bild3: Unser erster Blick auf die Skyline Yokohamas, nachdem wir eine ganze Weile lang umhergeirrt waren. Man sieht einen deutlichen Unterschied zwischen dem Yokohama dieses Bildes und dem vorangehenden Bild.


Bild4: Nach einem kurzen Fußmarsch erreichten wir schließlich das Meer oder vielmehr eine Anlegestelle für ein Schiff. Neben den modernen Hochhäusern, erkennt man im Hintergrund des Bildes auch das Riesenrad eines Vergnügungsparks, sowie die breite Promenade im Vordergrund. Yokohama ist unverkennbar ein Magnet für Touristen.


Bild5: Dies ist das höchste Gebäude Japans, das man bereits auf dem Panoramabild aus der Masse der übrigen Hochhäuser hervorragte. Und obwohl der Eintritt mit eintausend Yen, was rund acht Euro entspricht, verhältnismäßig teuer ist, wollten sich Dominic und ich die Aussicht vom höchsten Gebäude Japans nicht entgehen lassen. Und so fuhren wir mit einem der schnellsten Aufzüge der Welt binnen weniger Sekunden bis in das siebzigste Stockwerk in über 270 Metern Höhe.


Bild6: Ein Blick über Yokohama aus über 270 Metern Höhe. Glücklicherweise war an diesem Tag eine halbwegs klare Sicht.


Bild7: Ein Blick auf den Pazifik, der sich durch die vielen Kanäle und Buchten Yokohamas schlängelt. Obwohl man recht deutlich sieht, dass viele Teile Yokohamas eigentlich nur kleine Inseln sind, die mit Autobahnen und Brücken verbunden sind, hatte man im späteren Verlauf des Tages immer das Gefühl auf dem Festland zu sein. Aber vielleicht verschwimmt hier in den Küstengebieten auch die Grenze zwischen Meer und Festland.


Bild8: Ein Blick nach unten auf das Schiff, neben dem ich einige Minuten zuvor noch Bilder schoss. Wie ein Spielzeugschiff, schwimmt es auf der kleinen Wasserfläche, während winzige Ameisen auf den kleinen grauen Pfaden herumwuseln.


Bild9: Manchmal hatte ich das Gefühl nur die Hand ausstrecken zu müssen, um die benachbarten Wolkenkratzer wie kleine Spielzeugklötze einfach in die Hand nehmen und an einen anderen Ort stellen zu können. In der Tat wirkten die Wolkenkratzer rings um das höchste Gebäude Japans winzig. Beispielsweise das sichelförmige Gebäude direkt am Meer, das ich später noch einmal von unten fotografiert habe.


Bild10: Nach der beeindruckenden Aussicht auf Yokohama, liefen wir eine Weile durch die unteren Stockwerke des Gebäudes, die, wie man es bereits von vielen großen Gebäuden in Japan kennt, zu weitläufigen Einkaufspassagen ausgebaut wurden. Dieses Foto ist von der höchsten Etage der Einkaufspassagen aus aufgenommen.


Bild11: Ein großes, modernes Kunstwerk vor einem der zahlreichen Ausgänge des Hochhauses. Eine ganze Weile starrte ich gebannt auf die viele geschwungenen Bögen, ehe ich mich davon lösen konnte.


Bild12: Auf einem Platz vor dem Hochhaus hatten sich ein paar Straßenkünstler eingefunden, die eine wirklich beindruckende Show ablieferten. Bis zum Ende ihrer Vorstellung schauten wir den akrobatischen Kunststücken, Zaubertricks und sonstigen Showeinlagen zu.



Film1: Ein kurzes Video, das die beiden Künstler beim Jonglieren mit brennenden Fackeln zeigt. Wer denkt, dass dies bereits spektakulär gewesen wäre, hätte sehen sollen, wie der Mann kurze Zeit später über die am Boden kniende Frau sprang, im Sprung die Fackeln übernahm, mit denen die Frau jonglierte, und selbst weiterjonglierte. Vor lauter Aufregung vergaß ich vollkommen ein Video davon zu machen.


Bild13: Das versprochene Foto vom sichelförmigen Gebäude am Meer. Von unten aus betrachtet sieht es weitaus eindrucksvoller aus.


Bild14: An einer Promenade am Meer nahmen wir Platz und aßen, während wir aufs Meer hinaus blickten. Um uns herum war jene lebhafte Atmosphäre zu spüren, die ich bereits am Yoyogipark im Herzen Tokyos so sehr bewundert habe ("Downtown Medley - Spaziergang durch den Yoyogipark"). Überall sah man Passanten, Straßenkünstler oder einfach nur Leute, die diese lebhafte Atmosphäre genauso genossen wie wir. Beispielsweise die Jugendlichen auf dem Foto, die mit ihren Fahrrädern waghalsige Aktionen übten. Obwohl es von dieser Mittagspause nicht wirklich etwas zu berichten gibt, war diese halbe Stunde wohl der schönste Moment in Yokohama: Am belebten Kai sitzen, seinen Blick auf den Ozean richten, eine frische Meerbrise spüren und sich die Sonne auf die Haut scheinen lassen.


Bild15: Ein Blick auf die Promenade am Meer. Eine Weile lang beobachteten wir die Skateboarder, die sich gegenseitig Kunstwerke beibrachten und mehr als einmal schmerzhaft hinfielen. Die ganze Zeit scherzte ich mit Dominic, dass sicher bald ein Skateboard im Meer landen würde, was kurz darauf auch wirklich passierte: Bei einem Kunststück stürzte einer der Jungen und sein Skateboard rollte langsam über die Promenade und plumpste ins Meer. Glücklicherweise konnte er es wieder herausfischen, nachdem er über die Brüstung geklettert war.


Bild16: Bei unserem Spaziergang entlang der Küste kamen Dominic, Katharina, Ninja und ich an diesem roten Backsteinhaus vorbei. Ein seltener Anblick in Japan. Wie sich herausstellte, war das Gebäude gefüllt mit Geschäften und Ständen, die Waren und Speisen aus aller Welt anboten. Ob sich vor langer Zeit die Leute, die in einem Kontor die Waren aus Übersee betrachteten wohl genauso gefühlt haben mögen?


Bild17: Im Innenhof des Backsteinhauses fand eine Art Gartenschau statt. Irgendwo stand auch eine alte Hafenglocke, die man läuten konnte, woran vor allem die kleinen Kinder Spass fanden und ununterbrochen die Glocke läuteten. Und so war der ganze Platz mit Glockengeläut erfüllt.


Bild18: Ein Bild von einem der vielen, kunstvoll gestalteten Beete. Vielleicht erkennt man auf dem Bild auch die zahlreichen Japaner, die im Hintergrund knien und versuchten jede einzelne Blume in einem Foto festzuhalten. Und so war fast jedes Beet mit einer Reihe von knienden Japanern umringt.


Bild19: Während wir an der Küste entlangliefen, schoss ich dieses Foto, dass noch einmal deutlich zeigt, dass Yokohama eine Hafenstadt ist. Erst an diesem Tag wurde mir so wirklich bewusst, dass Japan eine Insel ist, und ich erst nach fast zweihundert Tagen in Japan das erste Mal wirklich am Meer war.


Bild20: Ein Bild von Ninja vor einem der vielen Grünstreifen, die an der Küste entlangliefen. Es war etwa zu diesem Zeitpunkt, dass wir uns entschieden dem Meer den Rücken zu kehren und uns wieder der Innenstadt Yokohamas zuzuwenden.

Montag, 20. April 2009

Tausendundein Tausch

"Wer könnte das denn jetzt sein?", denkt man sich manchmal, wenn es unerwartet an der Tür klopft oder klingelt. Doch hier in Japan denke ich das jedes Mal, wenn jemand sich an der Eingangstür bemerkbar macht, da ich schlichtweg niemanden erwarte. Und darum kann ich nie einschätzen, ob vor der Tür vielleicht Katharina steht, um sich selbst zum Abendessen einzuladen, ein Postbote, der ein Paket abliefert, oder ein bemitleidenswerter Werbevertreter, den ich ratlos anblicke bis er geht, weil ich nicht verstehe, was er mir andrehen möchte. Somit ist es immer ein kleines Abenteuer die Tür zu öffnen und sich von Jenen überraschen zu lassen, die auf der anderen Seite warten. So zum Beispiel heute, als ich morgens zur Tür schlurfte und insgeheim erwartete ein Paket zu erhalten. Doch vor der Tür stand kein Postbote, sondern eine Mitarbeiterin des Zentrums für internationale Angelegenheiten der Dokkyo-Universität.
Das muss wohl etwas Wichtiges sein, dachte ich mir und versuchte möglichst gefasst auszusehen, obwohl ich barfuss, halb im Jogginganzug, halb im Schlafanzug, in der Wohnungstür stand und mir vom Duschen noch Wassertropfen von den Haaren perlen. Ich kann nicht sagen, dass ich mich wohl fühlte, denn ich fand einerseits, dass ich ein lächerliches Bild abgab, andererseits mochte ich es so gar nicht vollkommen unerwartet auf Japanisch reden zu müssen. Und so lauschte ich verunsichert dem Redeschwall der Mitarbeiterin und verstand kein Wort. Leider endete ihr Monolog mit einem fragenden Blick, weshalb ich das Gefühl nicht los wurde irgendetwas antworten zu müssen. Und so stotterte ich unerwartet den erstbesten Satz zusammen, der mir in den Kopf kam: "Ich habe das...nämlich...ein bisschen...äh...nicht verstanden.". Eigentor. Der Monolog ging von Neuem los, diesmal langsamer und auf das Wesentliche reduziert, was nicht viel an meinem Nicht-Verstehen änderte. Also wiederholte ich ein beliebiges, unbekanntes Wort aus ihrem Dialog und versuchte mit geneigten Kopf, zusammengekniffenen Augen, der richtigen Intonation und einem symbolischen Kratzen am Hinterkopf mein Unwissen auszudrücken, ohne noch ein weiteres Mal nachfragen zu müssen. Und dann erzählte die Mitarbeiterin irgendetwas vom Schlafen und ich nickte fleißig, ohne wirklich zu verstehen worum es ging. Als nach ihrem dritten Monolog erneut eine peinliche Pause entstand, begann sie ihren Monolog auf einzelne Substantive zu reduzieren und ich wußte, dass ich nur noch eine Stufe davon entfernt war, dass sie beginnen würde in gebrochenem Englisch zu reden, also lauschte ich krampfhaft ihren Worten, um endlich zu begreifen, dass sie gekommen war, um meinen Futon und meine Bettdecke auszutauschen, schließlich stand das nächste Semester vor der Tür. Überdeutlich signalisierte ich mein Verstehen und bat um einen Moment, um meinen Futon zu holen. Natürlich ging ich aber nicht einfach nur weg um meinen Futon zu holen, nein, ich musste ihn erst einmal abziehen, abklopfen und notdürftig zusammenfalten, während Dominic verwirrt im Zimmer stand und sich wunderte, warum ich plötzlich mein Bettzeug auseinander riss. "Bleib hier stehen und sag nichts!", fuhr ich ihn leise an, schließlich hatte ich irgendwo gehört, dass eigentlich niemand Fremdes im Wohnheim übernachten durfte.
Um zu überspielen, dass ich nicht genau wusste, was ich bei der Übergabe des Bettzeuges zu sagen hatte, trug ich den Futon begleitet von geschauspieltem Schnaufen und einem langgezogenen "Ja" zur Eingangstür und lieferte kurze Zeit darauf mit einem ebenso grandiosen Schauspiel meine Decken ab. Und als ich schon beginnen wollte wie im Lernbuch das Ende der nicht vorhandenen Konversation einzuläuten, fragte die Mitarbeiterin des Zentrums für internationale Angelegenheiten nach Yosuke. "Yosuke? Der ist zur Zeit in Okinawa.", antwortete ich nun bereits etwas sicherer in der japanischen Sprache. Yosukes Bettzeug benötige sie aber auch, gab die junge Frau kund und schielte neugierig in Richtung Yosukes Zimmer. Ich folgte ihrem Blick und wägte für einen Moment ab, was Yosuke wohl lieber sein würde: Eine unbekannte Frau, die unerlaubt sein Zimmer betreten würde, oder sein Mitbewohner, der unerlaubt sein Zimmer betreten würde. Vermutlich wäre es ihm lieber, wenn ich schnell seine Bettsachen nähme, dachte ich mir und entschuldigte mich ein weiteres Mal für einen kurzen Moment bei der Mitarbeiterin, während ich scheinbar eilig in sein Zimmer hastete. Seine Decken waren schnell gefunden und abgezogen, doch sein Futon lag nicht auf dem Bett, wie man erwarten könnte. Ein matratzengroßer Futon kann ja nicht so schwer zu finden sein, dachte ich mir und versuchte einerseits nach einem Futon Ausschau zu halten, andererseits möglichst nichts direkt anzusehen, um Yosukes Privatsphäre zu achten. Doch so sehr ich auch versuchte ohne hinzuschauen zu suchen, sein Futon blieb unauffindbar. Und so lief ich mitsamt der Decken aber ohne Futon zu der Mitarbeiterin zurück und schilderte in knappen Sätzen mein Problem. "Kann ich kurz einen Blick in Yosukes Zimmer werfen?", fragte sie kurz und signalisierte mit ihrem Tonfall und ihrer Gestik, dass dies keinesfalls eine Frage, sondern eine als Frage verpackte Ankündigung war. Also nickte ich knapp, eilte voraus und schloss auf dem Weg in Yosukes Zimmer scheinbar beiläufig meine Zimmertür, hinter der Dominic immer noch vollkommen verwirrt herumstand und nicht wusste, was denn nun eigentlich los war. Die Frau betrat ohne Umschweife Yosukes Zimmer und begann scheinbar zielstrebig überall dort zu suchen, wo ich zuvor ohne irgendetwas speziell zu betrachten schon einmal hingeschaut hatte. Ein wenig dreist fand ich es dann doch, als sie begann Yosukes Schranktüren aufzureißen und in seiner Wäsche herumzuwühlen, um zu sehen, ob der Futon möglicherweise unter einem T-Shirt versteckt oder einer Unterhose eingewickelt sei. Nach einigen Augenblicken stand sie suchend im Zimmer und kam zu dem gleichen Schluss wie ich: Der Futon war nicht da. Schnellen Schrittes eilte sie zur Tür und begann wieder hektisch irgendetwas zu sagen. Ich glaube ich soll Yosuke mitteilen, dass er sich bei der Universität melden soll, wenn er wieder da ist, reimte ich mir aus einigen Worten und der Situation zusammen und brachte nicht viel mehr heraus als ein "Ja" und ein "Ich habe verstanden.". Die Frau rief einen Mann herbei, der mir ein handlich zurecht geschnürtes Paket, bestehend aus einem frischem Futon und frischen Decken, in die Hand drückte, während sie auf einer Liste meinen Namen suchte. "Kraft, David, nicht wahr?", fragte sie, während sie mit einem Stift über die Liste fuhr. Ich brachte ein halb ersticktes "Genau" hervor, während ich noch nach einem Platz suchte, um das Paket mit dem Futon und den Decken abzustellen. Und dann war der Spuk auch schon vorbei: Die Frau hakte meinen Namen auf der Liste ab, verabschiedete sich und ehe ich etwas sagen konnte, verschwand sie schon und die Tür fiel langsam zu. "Vielen Dank.", rief ich noch hinterher, obwohl ich nicht genau wußte, ob es das war, was man in solch einer Situation sagen sollte. Mit dem Paket lief ich in mein Zimmer und erklärte Dominic, was in den vergangen Minuten passiert war, während wir den neuen Futon auspackten. Und als ich in knappen Worten einen Überblick gegeben hatte und mich innerlich noch schämte, dass ich so vollkommen überrumpelt von dem Gespräch auf Japanisch gewesen war und kaum einen anständigen Satz hervorgebracht hatte, schaute mich Dominic anerkennend an und sagte: "Und du hast das alles auf Japanisch gemacht? Man bist du gut. Ich kann es ja nicht bewerten, weil ich kein Japanisch spreche, aber es hat sich echt professionell angehört, was du gesagt hast.". "Wenn du wüsstest.", dachte ich mir und rollte den neuen Futon auf der Matratze aus. Und dabei bemerkte ich gar nicht, dass ich schon die ganze Zeit auf Dominics Bett, Yosukes Futon, stand.
Nur kurze Zeit später machten sich Dominic und ich auf den Weg durch Soka zu einem Elektrogeschäft, da Dominic sich noch immer nach einem neuen Nintendo DS sehnte, da wir am Vortag in Akihabara nicht fündig geworden waren. Eine ganze Weile lang standen wir in dem Geschäft vor der Vitrine mit den gebrauchten Konsolen, da Dominic sich zwar entschieden hatte welches Modell er kaufen wollte, aber nicht sicher war, welche Farbe ihm wohl am ehesten lag. Und als er dann schließlich einen Entschluss gefasst hatte, hatte er sich nicht nur für eine Farbe, sondern auch gleich für ein ganz anderes Modell entschieden, nämlich den neuen Nintendo DSi, der sich nicht nur durch ein kleines "i" von seinem Vorgänger entschied, sondern auch durch eine integrierte Kamera, ein stylischeres Design und verschiedene andere Funktionen. Und weil dieses Nachfolgemodell in Deutschland noch nicht erschienen war, witterte Dominic ein Schnäppchen und konnte nicht widerstehen. Zwar hatte ich Bedenken, dass er die Wahl einer Konsole nach so langer Planung nun doch ganz unerwartet in eine ganz andere Richtung lenkte, aber ich dachte mir, dass es seine Konsole sei, und so stellte ich mich für Dominic an die Kasse und bat den Angestellten um den Nintendo DSi in der Glasvitrine. Ohne Probleme übersetzte ich alles, was der Angestellte sagte, für Dominic und hatte das Gefühl mein verletztes Ego nach dem Japanisch-Desaster vom Morgen ein wenig zu heilen. Und so lief ich schließlich mit einem überglücklichen Dominic, der in seiner Hand unentwegt die Tüte mit seiner neuen Spielkonsole herumschwenkte, wieder in Richtung des Wohnheims.
Als wir uns der Dokkyo-Universität näherten, fiel mir irgendwann die ständig steigende Zahl von jungen Japanern in Anzügen und traditionellen Kleidern auf. Zuerst dachte ich mir nicht viel dabei, zu beschäftigt war ich mich gemeinsam mit Dominic zu freuen, doch als wir am Eingang des Campus der Dokkyo-Universität ankamen, war es offensichtlich, dass irgendetwas Wichtiges stattfand, denn der gesamte Campus war gefüllt mit jungen Japanern in Feiertagskleidung, die meist von ihren Familien begleitet wurden und unermüdlich Fotos schossen. Im Vorbeilaufen las ich einige Schilder und stellte so fest, dass dies die Abschlusszeremonie für alle Graduierten des vergangenen Semesters war. "Dann sind dort bestimmt auch irgendwo Tak und Nobuko.", dachte ich laut und warf einen Blick auf die Menschenmenge, darauf hoffend, dass jeden Moment jemand mit wedelnden Armen auf mich zugelaufen käme, doch natürlich kam niemand. "Ich will jetzt nach Hause und spielen.", entgegnete Dominic, während ich noch immer Ausschau nach einem bekannten Gesicht hielt, "Aber die Abschlusszeremonie ist nur heute.", begann ich und sah schon wie Dominic die Mundwinkel nach unten zog und die Tüte mit seiner neuen Spielkonsole träge in Richtung Boden hing. "Naja, so interessant ist es bestimmt nicht.", sagte ich schließlich und warf schweren Herzens einen letzten Blick auf den Campus voller herausgeputzter Graduierter, bevor ich mich umdrehte und zurück zum Wohnheim lief, während mich Dominic mit wedelnder Tüte begleitete.
"Ich glaube man kann den Nintendo DSi nicht auf Englisch umstellen.", stellte ich fest, nachdem ich einige Minuten an Dominics neuer Errungenschaft gesessen und daraufhin ein wenig im Internet recherchiert hatte. "Das ist ja dumm.", stellte Dominic sachlich fest, "Bei deinem geht es doch auch.". "Ja, ich habe aber auch ein anderes Modell", entgegnete ich und fügte gedanklich hinzu, dass es das Modell war, dass Dominic auch hätte kaufen wollen, wenn er sich nicht im letzten Moment umentschieden hätte. "Mit dem Nintendo DSi habe ich noch nie etwas zu tun gehabt, ich wußte nicht, dass alles auf Japanisch ist.". Mit grimmiger Miene saß Dominic da und schaute argwöhnisch auf seine Spielkonsole, über die er vor wenigen Minuten noch hocherfreut gewesen war. "Dann will ich den nicht. Tausch den um.", urteilte er binnen Sekunden und hielt mir die Spielkonsole unter die Nase. "Hast du denn überhaupt getestet, ob es dich beim Spielen stört, wenn die Konsole auf Japanisch ist? Die Spiele müssten doch nach wie vor auf Deutsch sein, oder?" Fast schon angewidert legte Dominic ein Spiel ein und begann zu spielen. Und als ich einige Minuten später immer noch keine Antwort auf meine Frage erhalten hatte, hakte ich nochmals nach. "Jetzt nicht!", fuhr mich Dominic an, "Das Spiel ist gerade so interessant. Ich will spielen!". "Das Japanisch der Konsole stört als nicht?", hakte ich nochmals nach, in der Hoffnung diesmal eine klare Antwort zu bekommen. "Ach quatsch.", antwortete er abwesend, während er nach wie vor auf den kleinen Tasten herumdrückte, "Bei den Spielen stört das doch eh nicht. Und die paar Begriffe, die man im Menü benötigt, kannst du mir aufschreiben. Soviel Japanisch lerne ich doch mit Links.". Und so war das Problem gelöst. Zumindest dachte ich das, bis Dominic knapp zwei Stunden später mit einem ernsten Gesicht ankam und feierlich postulierte, dass er nun doch keinen Nintendo DSi mehr haben wolle, sondern einen Nintendo DS. Gründe für seinen erneuten Meinungsumschwung gab er nicht an, nur dass er reichlich nachgedacht hätte. Da ich mir mittlerweile aber unsicher war, ob dies nun wirklich seine finale Entscheidung sei, ignorierte ich seinen Entschluss erst einmal und versprach ihm den Nintendo DSi am Nachmittag umzutauschen, wenn er dann immer noch zu dieser Entscheidung stehen würde.
Am Mittag klopfte es dann wieder an die Tür, diesmal war es Katharina, die ihrem Ärger über eine Mitarbeiterin des Zentrums für Internationale Angelegenheiten der Dokkyo-Universität Luft machen musste, die offensichtlich in ihrer Abwesenheit ihr Zimmer nach ihrem Futon und ihrer Decke durchsucht hatte. "Oh, die kenne ich.", antwortete ich und dachte an die Ereignisse vom Morgen zurück. Ich bat Katharina herein und während ich für uns und Dominic kochte, schilderte Katharina davon wie sie nach ihrem Praktikum nach Hause gekommen war und ein durchwühltes Zimmer sowie eine Notiz bezüglich ihres fehlenden Futon gefunden hatte. Und dann rückte sie allmählich auch mit dem eigentlichen Grund ihres Besuches heraus: "Du David, du hast doch noch meinen Futon.". "Habe ich?", fragte ich erstaunt nach und versuchte mich daran zu erinnern, ob ich jemals Katharinas Futon ausgeliehen hätte. "Kann sein, dass ich ihn vor fast einem halben Jahr einmal ausgeliehen hatte, als Ninja hier übernachtet hat. ("Ein Tag unter Freunden")", dachte ich laut nach, "Aber ich müsste ihn eigentlich am nächsten Morgen zurückgebracht haben.". "Nein, den hast du immer noch.", statuierte Katharina, "Sonst wäre er ja schließlich in meinem Zimmer." Und zur Untermauerung ihrer Behauptung deutete sie auf Yosukes Futon in meinem Zimmer. "Oh, das ist Yosukes Futon.", begann ich und wollte gerade von meinem Erlebnis am Morgen erzählen, als ich jäh von Katharina unterbrochen wurde, da sie erneut statuierte, dass dies ihr Futon sei und Yosuke seinen verschlampt hätte. "Nun gut", versuchte ich die Wogen zu glätten, "Ich kann ihn dir ja nachher hochtragen.". Und damit war das Thema vorerst gegessen.
Einige Zeit später lief ich samt Futon ein Stockwerk nach oben, um Katharina den Futon zu überreichen, der meiner Meinung nach Yosuke gehörte. Dabei malte ich mir schon aus, wie Yosuke mich um seinen Futon bitte würde, während ich versuchen würde zu erklären, warum ich ihn Katharina gegeben hatte. Die nahm ihren Futon einige Augenblicke glücklich in Empfang und überlegte wo sie ihn vorerst deponieren sollte, da sie ohne Futon auf ihrer Matratze schlief. "Leg ihn einfach unten in den Schrank.", wies sie mich an und ich blieb für einen Moment mitten im Raum stehen und wartete darauf, dass Katharina feststellen würde, dass ich mit beiden Händen ihren Futon trug und unmöglich eine Tür öffnen konnte. "Naja, ich mach mal den Schrank auf.", stellte sie nach einigen Momenten der Stille der fest, öffnete schließlich selbst die Türen und begann ein wenig nervös zu lachen: "Die durchsuchen meine ganze Wohnung und finden den Futon nicht. Sowas aber auch. Die sind ja dumm.". Erst verstand ich gar nicht worum es ging, bis ich einen Blick in den Schrank warf und dort Katharinas Futon liegen sah. Wenn das ihr Futon ist, dann ist der Futon, den ich trage, doch Yosukes, dachte ich mir stumm, sagte aber nichts. Und während Katharina noch eifrig damit beschäftigt war der Mitarbeiterin vom Morgen die Schuld an allem und jedem zu geben, lief ich mit dem Futon, der für kurze Zeit in Katharinas Besitz gewechselt war, wieder in meine Wohnung hinab.
Als im am Nachmittag Dominic noch einmal zu seinem Nintendo DSi befragte, beharrte er immer noch auf seinem Umtausch und darum liefen wir samt Quittung noch einmal zu dem Elektrogeschäft. "Noch einmal tausche ich deine Spielkonsole aber nicht um.", warnte ich ihn auf dem Weg, "Also sei dir sicher mit dem, was du haben willst.". Und so verbrachte Dominic wieder einmal einige Zeit vor der Glasvitrine, bis er mir schließlich grünes Licht gab. Also begann ich vor dem Verkäufer einen kurzen Monolog zum Besten zu geben, den ich mir unterwegs zurecht gelegt hatte: Was mein Anliegen sei, warum ich den Nintendo DSi zurückgeben und ihn gegen einen gewöhnlichen Nintendo DS umtauschen wolle und dass ich ja bereits am Morgen da gewesen sei. Und all dies begleitet von zahlreichen Entschuldigungen für die Umstände, die ich bereiten würde. Typisch japanisch entschuldigte sich der Verkäufer dafür, dass Dominic sich eine falsche Spielkonsole ausgesucht hatte, was von einem logischen Standpunkt aus betrachtet gar keinen Sinn machte, aber dennoch sehr höflich war, und nahm den DSi, der gerade einmal ein paar Stunden in Dominics Besitz gewesen war, an sich und überprüfte den Inhalt. Dann schritt er zur Vitrine und fragte welchen Nintendo DS ich gerne hätte, was ich für Dominic übersetzte, der ein wenig nachdenklich dastand. "Ist das weiss oder silbern?", fragte Dominic nachdenklich und deutete auf einen Nintendo DS. "Das ist ein silberner DS.", antworte ich verwirrt, doch Dominic reagierte gar nicht wirklich darauf. "Nein, nein, du sollst den Verkäufer fragen.". Nun war ich verwirrt. Warum sollte ich diese Frage noch einmal an den Verkäufer richten? Aber ich lies mich gar nicht erst auf eine Diskussion ein, sondern übersetzte die offensichtliche Frage. Und ohne große Überraschung erfuhren wir, dass es sich um einen silberfarbenen Nintendo DS handelte, woraufhin Dominic beipflichtend nickte. Ob ich diese Spielkonsole haben wollte, fragte der Verkäufer etwas verwirrt, was ich wiederum an Dominic weitergab. Der nickte noch immer und sagte schließlich: "Nein, ich will den roten Nintendo DS.". Und den kauften wir dann schließlich auch.
Auf dem Rückweg fragte ich Dominic dann verwirrt, was die Frage nach der Farbe sollte, woraufhin er selbstsicher antwortete, dass ihm der Verkäufer ein wenig Leid getan habe, weil wir ihm mit dem Umtausch so viele Probleme bereitet hätten. Darum hätte er ihm etwas Gutes tun wollen. "Verstehe ich nicht.", antwortete ich kurz. "Na, da habe ich ihn etwas gefragt, so als Entschädigung.". "Achso.", antwortete ich und dachte einen Moment nach, "Verstehe ich immer noch nicht.". Und so lief ich ratlos, aber glücklich darüber, dass der Umtausch so gut geklappt hatte, nach Hause und verbrachte den Abend mit dem Spielen meines Nintendo DS, während Dominic neben mir saß und sich überglücklich mit seiner eigenen Spielkonsole vergnügte.

Samstag, 18. April 2009

Ein (verspätetes) Geschenk zu Ostern

Liebe Freunde, liebe Familie,

Eigentlich hatte ich eine kleine Überraschung zu Ostern geplant, doch leider war ich in den letzten Wochen so sehr mit dem Beginn des neuen Semesters beschäftigt, dass ich nicht rechtzeitig fertig geworden bin. Darum hiermit ein verspätetes Ostergeschenk: Es ist ein Video mit Bildern über Kyoto und Nara. Zum Ansehen einfach hier klicken.

Ich wünsche allen viel Spass und noch einmal nachträglich Frohe Ostern!

David

Hinaus aus den vier Wänden

Es ist Tag 188 in Japan und es ist mittlerweile fast eine halbe Woche vergangen, seit ich mit Dominic aus Kyoto zurückgekehrt bin. Dass wir nach dieser anstrengenden Woche erst einmal ein wenig Ruhe brauchen würden, war mir klar gewesen, aber mittlerweile waren schon drei ganze Tage vergangen, in denen wir nicht viel mehr unternommen hatten, als in der Wohnung zu sitzen. Und somit drängte ich Dominic dazu etwas zu unternehmen, so lange er noch in Japan war. Der Haken an der Sache war allerdings, dass Dominic in den letzten Tagen seine Leidenschaft für meinen Nintendo DS entdeckt hatte, den ich mir zu Weihnachten geleistet hatte, und den Großteil seiner Zeit damit verbrachte mit der Spielekonsole in der Hand irgendwo zu sitzen und meine Spiele zu spielen. Natürlich ist nichts falsch daran einem Hobby zu folgen, doch wenn man schon einmal im Ausland ist, würde ich es doch bevorzugen die Zeit mit Dingen zu verbringen, die man nicht auch jeden Tag zu Hause machen könnte. Vorerst fiel meine Kritik auf taube Ohren, bis ich es schließlich schaffte Dominic mit einem Kniff aus den vier Wänden hervorzulocken: Ich bot ihm einfach an einen eigenen Nintendo DS in Akihabara, Tokyos Zentrum für Computerspiele, japanische Comics und Elektronikwaren, zu kaufen. Darauf sprang er dann auch an, legte meinen Nintendo DS zur Seite und gemeinsam fuhren wir nach einem frühen Mittagessen nach Akihabara.
Seitdem er meine Bilder von den überfüllten Straßen und farbenfrohen Geschäften gesehen hatte ("Mit Ninja durch Akihabara"), wollte sich Dominic, selbst ein begeisterter Computerfan, auch einmal durch die engen Geschäfte drängen, original Spielklassiker in den Händen halten und sich an dem großen Angebot an Produkten erfreuen. Und so stieg er voller Vorfreude mit mir in Akihabara aus, in der Hoffnung bald einen eigenen Nintendo DS in den Händen zu halten. Doch schon nach einem einzigen Geschäft verlor er das Interesse und wollte wieder nach Hause fahren. "Wir sind doch gerade erst angekommen und haben uns noch nicht einmal richtig umgesehen", fragte ich verwirrt nach, doch Dominic begann sich zu beklagen, dass es ihm zu voll und zu unübersichtlich sei. Da wir aber noch nicht einmal richtig angefangen hatten nach seinem Nintendo DS zu suchen, ignorierte ich vorerst sein Klagen und lief mit ihm durch Akihabara. Überall wo es so aussah, als könnte man günstige Spielkonsolen oder Spiele kaufen, betrat ich das Geschäft und schaute mich um, allerdings mit wenig Erfolg. Nachdem wir eine kleine Runde durch Akihabara gelaufen waren und Dominic keinen wirklichen Spass zu haben schien, entschied ich, dass es wohl wenig Sinn hatte noch länger umherzulaufen und so fuhren wir gerade einmal zwei Stunden nachdem wir in Akihabara angekommen waren wieder zurück.


Bild1: Unterwegs in einer der vielen Gassen von Akihabara, in denen wir nach einem Nintendo DS für Dominic gesucht haben.


Bild2: Ein Blick auf eines der unzähligen Hochhäuser in Akihabara, die meterhoch mit Werbeplakaten behängt waren.


Für den Nachmittag hatte ich in einem Café am Bahnhof von Soka ein Treffen mit Ayano arrangiert, damit Dominic einmal einige meiner Freunde aus Japan treffen konnte. Da wir nun aber schon so früh wieder da waren, hatten wir noch Zeit bis zu unserer Verabredung und somit liefen wir noch einmal zum Wohnheim. Immerhin konnte ich so gleich das Geschenk, das ich für Ayano in Nara gekauft hatte, mitnehmen. Am Nachmittag trafen wir uns dann schließlich mit ihr und nachdem ich für Dominic und mich einen Kaffee bestellt hatte, setzten wir uns gemeinsam an einen Tisch und begannen uns zu unterhalten. Und so erzählten wir ausführlich von unserer Fahrt nach Kyoto, was wir besichtigt, was wir erlebt hatten, während Ayano Dominic interessiert zu seinen Eindrücken über Japan befragte. Von meinem kleinen Dankeschön für ihre Mithilfe bei der Planung der Fahrt nach Kyoto war sie ganz gerührt und musste auch herzlich lachen, als sie den Namen "Hirschkot" der Süßigkeiten las. Eine ganze Weile saßen wir so beieinander, ehe sich unsere kleine Runde schließlich auflöste und wir noch gemeinsam ein Stück des Weges liefen, ehe sich unsere Wege trennten.

Freitag, 17. April 2009

Resumée im Nachtbus

Als wir in Kyoto ankamen, war es bereits dunkel. Ein Blick auf die Uhr verriet, dass wir noch rund vier Stunden zu verbringen hatten, bevor uns der Nachtbus vom Bahnhof in Kyoto zurück nach Tokyo fahren würde. Mit den Menschenmassen ließen wir uns aus dem Bahnhofsgebäude spülen und standen schließlich irgendwo vor dem Eingang des Bahnhofs, allerdings nicht dort, von wo aus wir zu unserer Unterkunft gekommen wären. Statt aber auf dem schnellsten Wege unserer Unterkunft anzusteuern, liefen wir eine kleine Abschiedsrunde durch das abendliche Kyoto. Und als wir im Bahnhofsviertel an den Spielhallen, heruntergekommen Etablissements, Baustellen und dunklen Hauseingängen vorbeiliefen, fiel mir wieder ein, was ich bereits an meinem ersten Tag in Kyoto bemerkt hatte: Abseits der Touristenattraktionen war Kyoto gar nicht so schön. Und so versuchte ich mir auch jene Bilder von dunklen Gassen mit zwielichtigen Personen einzuprägen, um mir Kyoto nicht nur als jene Stadt in Erinnerung zu behalten, die voll von Attraktionen und Sehenswürdigkeiten war, sondern auch als jene Stadt, in der man im Dunklen nicht durch das Bahnhofsviertel laufen sollte, in der sich der Müll in allen Ecken sammelt und die Industrieanlagen in die Höhe ragen. Nach dem kurzen Spaziergang kamen wir wieder am Bahnhof an, suchten nach einem Café, in dem wir den restlichen Abend verbringen könnten und liefen durch die Unterführung des Bahnhofs, entlang jener Straße, durch die wir schon so oft gelaufen waren, bis zu unserer Unterkunft. Der ältere Herr, der uns die letzten Tage über so freundlich unterstützt hatte, saß wie immer an der Rezeption und begrüßte uns herzlich, als wir ein letztes Mal eintraten und unser Gepäck zusammensammelten. Nachdem wir einige letzte Worte gewechselt hatten und uns für die Gastfreundlichkeit der letzten Tage bedankt hatten, verließen wir, beladen mit unseren Rucksäcken und Koffern, unsere Unterkunft und verschwanden im Dunkel der Nacht.


Bild1: Der Bahnhof Kyotos bei Nacht.


Ein wenig motivationslos rührte ich mit meinem Strohhalm durch die übriggeblieben Eiswürfel meines Eiscafés, während Dominic, Ninja und ich samt unserem Gepäck in dem Café in der Nähe des Bahnhofs saßen. Wirklich zu tun hatten wir nichts, also saßen wir den größten Teil unserer Zeit in Gedanken versunken an dem kleinen Tisch und schauten in regelmäßigen Abständen auf die Uhr. Es sind diese letzten Stunden, in denen ich immer dazu neige ein Resumée zu ziehen, weshalb ich die Frage, was den anderen denn am besten gefallen hätte, in die Runde warf. Doch statt einem angeregten Gespräch, in dem man sich gegenseitig über das ausgetauscht hätte, was einem in der letzten Woche als äußerst positiv in Erinnerung geblieben wäre, begrenzte sich das Gespräch auf wenige gemurmelte Worte: "Der Fushimi-Inari-Schrein war toll.", "Nara auch.", "Ja, Nara auch.". Sehr viel mehr Elan zeigte keiner ein Resumée der letzten Tage zu ziehen, weshalb ich das Thema auf sich beruhen lies und mir im Geiste eine Notiz machte, dass ich die Rückfahrt im Nachtbus für mein eigenes gedankliches Resumée nutzen würde. Eine Weile lang packte ich noch Dinge vom Rucksack in die Tragetasche und umgekehrt, bis ich mir sicher war, was ich im Bus gebrauchen könnte und was nicht. Die restliche Zeit unterhielten wir uns ein wenig gezwungen, ohne dass wir wirklich etwas gesagt hätten. Schließlich war es Zeit aufzubrechen und ich verabschiedete mich von den halbgeschmolzenen Eiswürfeln, die in dem Plastikbecher vor sich hinschwammen, schulterte meinen schweren Rucksack und folgte dem anderen aus dem Café.
Ein letztes Mal liefen wir gegen kurz nach Zehn Uhr nachts durch das dunkle Kyoto und die ausgestorbene Unterführung. In der unterirdischen Einkaufspassage, die den nördlichen Teil des Bahnhofs mit dem südliche Teil verband, hatten bereits alle Geschäfte geschlossen und man traf nur vereinzelt noch auf Menschen. In der öffentlichen Toilette gingen wir ein letztes Mal aufs Klo und machten uns für die Nachtfahrt frisch, während vor den Eingängen zu den Toiletten schlafende Japaner saßen, die von Polizisten aufgeweckt wurden und recht grob gebeten wurden die Einkaufspassage zu verlassen. Wir wurden nicht angehalten die Einkaufspassage zu verlassen, vielleicht weil wir offensichtlich im Begriff waren abzureisen, vielleicht auch einfach nur, weil die japanischen Polizisten sich nicht trauten uns Ausländer anzusprechen. Nichtsdestotrotz eilten wir durch die leeren Gänge zur Südseite des Bahnhofs und fanden uns in einer großen Masse von Japanern wieder, die offensichtlich alle mit einem der dutzenden Nachtbusse Kyoto verlassen wollten. Ich stellte mich in die Reihe, bereit nach dem Bus zu fragen, der uns nach Tokyo bringen sollte, während sich Ninja und Dominic etwas abseits hinstellten und warteten. Als ich an der Reihe war, nannte ich meinen Namen und mein Reiseziel, zeigte meine Quittung vor und wartete, während die junge Frau eifrig ihre Unterlagen durchwühlte. Und da sie meinen Namen nicht auf der Liste fand, begann sie ihre Kollegen zu fragen und es entstand erst einmal eine kleine Panik, weil niemand meinen Namen auf den Listen fand. Während die Frau noch fieberhaft überlegte, was sie nun machen sollte, warf ich einen Blick auf ihre Liste und mir fiel sofort mein Name ins Auge. Als ich die junge Frau darauf hinwies, war sie offensichtlich berührt und entschuldigte sich vielmals, während ihre Kollegen über sie lachten. Schon in Ordnung, antwortete ich gelassen, schließlich war ich froh endlich die Busnummer zu erfahren und mich samt meiner Informationen auf den Weg zum Bus zu machen. Während ich unser Gepäck abgab, wurde Dominic nach unserem Reiseziel gefragt. Da er nichts verstand, nickte er einfach als er Tokyo hörte. Dass er allerdings nach dem Bahnhof gefragt wurde, in dem wir aussteigen wollten, wusste er nicht. Von all dem bekam ich aber nichts mit und war froh endlich in den Bus einsteigen zu können. Im hinteren Teil des Busses saßen wir diesmal nicht, eher irgendwo in der Mitte. Ich saß neben Dominic, hinter uns Ninja neben einem japanischen Mädchen. Es dauerte nicht lange und wir fuhren los. Einen letzten Blick auf Kyoto konnte ich leider nicht werfen, da die Vorhänge zugezogen waren, und so begnügte ich mich damit dem Reiseführer zu lauschen, der die Fahrtroute erklärte und Belehrungen zum Verhalten im Bus gab. Viel verstand ich allerdings nicht und so wartete ich geduldig, bis der Reiseführer seinen Vortrag beendet hatte, irgendwo in der Nähe des Fahrers verschwand und das Licht löschte. Und dann begann die zweite Fahrt im Nachtbus.


Bild2: Die Einkaufspassage, die sonst voller Menschen ist, war nachts fast leer. Ein paar Putzkolonnen liefen umher und leerten die Mülleimer oder wischten die Böden, ansonsten traf man kaum jemanden.


Insgesamt fand ich die Busfahrt angenehm, natürlich war sie nicht zu vergleichen mit einer Übernachtung in einem weichen Bett, aber sie war doch um längen angenehmer als noch unsere erste Fahrt vor knapp einer Woche, denn diesmal war es nicht so warm und stickig, zudem hatte ich keinen Muskelkater vom Tragen des schweren Rucksacks. Gelegentlich nickte ich für einige Minuten ein, zumindest glaube ich das, aber durchgehend schlafen konnte ich nicht. Und so ließ ich die vergangene Woche Revue passieren. Was hatte mir gefallen, was nicht? Was blieb mir von dieser Woche in Erinnerung? Genug Zeit meine Gedanken zu sammeln und sortieren hatte ich ja und so schrieb ich in Gedanken meine ganz eigene Kritik zu meinem Urlaub in Kyoto. Aber war es das überhaupt gewesen? Ein Urlaub? Im Kopfe drehte ich das Wort von einer auf die andere Seite und überlegte was für mich das Wort "Urlaub" bedeutete, bis ich zu dem Entschluss kam, dass es für mich kein Urlaub gewesen war, zu anstrengend und nervenaufreibend war die letzte Woche gewesen. Vielleicht wäre mein Urteil anders ausgefallen, wenn ich nicht so oft das Gefühl gehabt hätte alles regeln zu müssen, angefangen von den Regelungen der Busfahrten, über all die Gespräche mit dem alten Herren aus der Unterkunft, bis hin zum Planen der täglichen Ausflüge. Sicher hätte es sich mehr wie ein Urlaub angefühlt, wenn man sich manchmal einfach hätte zurücklehnen können und jemand anderes einmal die Planung für den Tag übernommen hätte, doch das war leider fast nie passiert. Und wenn ich ehrlich bin, war ich sogar froh wieder nach Tokyo zu fahren, da ich somit endlich aus der Rolle des Verantwortlichen entbunden war. Ich bin mir sicher, dass ich mehr Spass gehabt hätte, wenn alle ein wenig begeisterter an der Planung der Ausflüge beteiligt gewesen wären und mehr Enthusiasmus für die vielfältigen Ausflugsziele in Kyoto und dessen Umgebung gezeigt hätten, denn die Sehenswürdigkeiten, die Kyoto zu bieten hat, waren das Highlight der vergangen Woche gewesen. Mit Freude dachte ich an die Wanderung durch die zehntausend Tore des Fushimi-Inari-Schreins, das Spazieren im wunderschönen Garten des Silbernen Pavillions, das Betrachten des Großen Buddhas von Nara, den Blick auf den Goldenen Pavillion oder die interessanten Kunstwerke im Museum für moderne Kunst, doch ebenso wehmütig dachte ich daran, was ich wohl alles verpasst hatte, weil wir so viel Zeit verschwendet hatten mit dem Schlendern durch Einkaufsstraßen, dem späten Aufstehen und den unzähligen sinnlosen Streitereien. Ich weiß gar nicht mehr wie oft ich die anderen vergebens darum gebeten hatte früher Aufzustehen, sich schneller fertig zu machen, sich die Touristenläden doch ein andermal anzusehen, wenigstens ein grobes Zeitgerüst aufzustellen oder einfach nur Proviant einzupacken. Vielleicht zu recht, vielleicht auch nicht. Ich hätte gerne so viel mehr gesehen, so viel mehr unternommen, denn letztlich hatte ich in sechs Tagen nicht einmal ein dutzend Sehenswürdigkeiten gesehen, was für eine ganze Woche in einer Stadt, die für hunderte von Sehenswürdigkeiten bekannt ist doch eine recht magere Ausbeute darstellt. Und auch wenn es hart klingen mag, kam ich während der Busfahrt doch zu dem Ergebnis, dass ich lieber alleine nach Kyoto gefahren wäre, um mehr zu sehen, mehr zu erleben und mehr von einer Stadt zu haben, die so vieles zu bieten hat.
Gegen sieben Uhr am nächsten Morgen kamen wir schließlich am Bahnhof von Shinjuku an, wo wir vor knapp einer Woche abgefahren waren. Nach einer kurzen Diskussion mit dem Reiseführer kamen wir schließlich auch an unser Gepäck, dass in jenem Fach verstaut war, das für Reisende zum Bahnhof Tokyos bestimmt war, schließlich hatte Dominic in Kyoto unwissend einen falschen Zielort angegeben. Während sich Ninja und ich über die erstaunlich angenehme Nachtfahrt freuten, wurde Dominic nicht müde sich über die Busfahrt auszulassen und lief mürrisch hinter uns beiden her. Irgendwo in der Unterführung des weitläufigen Bahnhofs von Shinjuku trennten sich dann unsere Wege und so verabschiedeten sich Dominic und ich von Ninja, ehe wir uns auf den Weg nach Soka machten. Wie an meinem ersten Tag in Kyoto war ich trotz fehlendem Schlaf erstaunlich wach und organisierte unsere Fahrt problemlos. Zweimal musste wir mit unserem Gepäck am Morgen umsteigen und waren insgesamt fast zwei Stunden unterwegs, ehe wie schließlich gegen neun Uhr morgens im Wohnheim ankamen. Es war noch alles so, wie wir es zurückgelassen hatten und auf dem Schreibtisch lag auch meine Kamera, die ich vergessen hatte. Ohne große Worte zu wechseln, rollte ich den Futon für Dominic aus und wir legten uns erschöpft nieder. Und dann schliefen wir ein.

Sonntag, 12. April 2009

Die Hirsche von Nara

Vor der Reise nach Kyoto hatte ich mir auf einem Zettel Orte und Sehenswürdigkeiten notiert, die sich Dominic, Ninja und ich während des Urlaubs gerne anschauen würden. So standen dort beispielsweise der Fushimi-Inari-Schrein und Gion für Ninja oder das Nationalmuseum Kyotos, der Silberpavillion und der Ryouan-Tempel für Dominic. Was hatte ich aber für mich notiert? Nun, es waren eigentlich nur zwei Sachen: Der Kaiserpalast von Kyoto und Nara. Zum Kaiserpalast hatten wir es leider nicht geschafft und nun, am Sonntag, hatte er ohnehin geschlossen, also blieb nur noch ein Ausflugsziel übrig: Nara, die alte Hauptstadt Japans, die eine kurze Zugfahrt von Kyoto entfernt liegt. Und da das Wetter schön war und wir bis zur Abfahrt unseres Nachtbusses noch den Tag verbringen mussten, setzte ich mich durch und entschied den letzten Tag unserer Reise in Nara zu verbringen.
Bevor es aber losgehen konnte, musste erst einmal das Gepäck gepackt werden. Ein wenig bedauerte ich, dass ich dies bereits am Vorabend erledigt hatte, da ich den Vormittag wieder einmal tatenlos herumsaß und auf die anderen warten musste. Aber immerhin hatte ich so genug Zeit ein paar Erinnerungsfotos von unserem Zimmer zu schießen und im Reiseführer den Abschnitt über Nara zu lesen. Schon am Vorabend hatte ich dem älteren Herren, der unsere Gaststätte leitet, höflich gefragt, ob wir unser Gepäck den Tag über noch unterstellen könnten, weshalb wir am späten Vormittag unsere Rucksäcke und Koffer bequem in die Eingangshalle stellten und nur mit dem Nötigsten zum Bahnhof von Kyoto liefen, um nach Nara zu fahren.


Bild1: Ein Blick aus dem Fenster unseres Zimmers. Folgt man der breiten Straße, kommt man in wenigen Minuten direkt zum Bahnhof von Kyoto. 


Bild2: Ein Blick in unser Zimmer. Da es so klein war erkannt man nur recht wenig, obwohl ich von der anderen Ecke des Zimmers aus fotografierte. Links sieht man die Tür zu unserem kleinen Bad, rechts das Fenster, durch das ich nach draußen fotografiert habe. Hinter den Fensterläden, die mit Plastik verkleidet sind, befindet sich übrigens noch ein Fenster mit Glasscheibe.


Bild3: Ein Blick von der anderen Seite des Zimmers aus. Man sieht unsere Garderobe, darunter ein Fernseher, den wir kein einziges Mal benutzt haben, einen kleinen Tisch, an dem wir Abend gegessen haben und unseren Kühlschrank. Noch weiter Rechts befände sich die Eingangstür.


Bild4: Der Straßeneingang unserer Unterkunft. Die Eingangstür schien zu jeder Tages- und Nachtzeit geöffnet zu sein. Gleich im Eingangsbereich zog man seine Schuhe aus und lief im gesamten Gebäude nur mit Strümpfen herum.


Die Fahrt mit dem Zug bis nach Nara verlief problemlos, schließlich war ich das Zugfahren bereits aus Tokyo zur Genüge gewohnt. Einmal mussten wir umsteigen, was Ninja und Dominic sofort nutzten, um sich an einer Bahnhofsbäckerei Proviant zu kaufen. Dadurch verschob sich unsere Weiterfahrt um insgesamt eine halbe Stunde, was dazu führte, dass wir letztlich erst mittags in Nara ankamen. Viel Zeit hatten wir somit nicht mehr, um uns etwas anzuschauen, weshalb wir unsere Zeit eher in einige sehr ausgedehnte Spaziergänge investierten und uns letztlich nur eine einzige Sehenswürdigkeit komplett anschauten. Was nun doch recht mager klingt, wurde aber durch eine ganz andere Attraktion in Nara wieder aufgewogen: Die Hirsche. Überall in Nara wimmelte es von ihnen. Große und Kleine, Dicke und Dünne. Auf den Wiesen, bei den Parks, in den Anlagen der Tempel, in den Wäldern, auf den Wegen, einfach überall. Und da viele findige Japaner aus dieser Attraktion Profit schlagen wollten, standen rund alle hundert Meter Stände, an denen Kekse für die Hirsche verkauft wurden. Davon wussten wiederum die Hirsche und standen somit ganz zahm in der Nähe dieser Stände, um im geeigneten Moment auf einen Käufer zuzustürmen und ihm möglichst viele Kekse aus der Hand zu schnappen. Und so hatten alle ihren Vorteil: Die Verkäufer verdienten Geld, die Hirsche wurden gefüttert und die Touristen hatten Spass und konnten Unmengen von Fotos schießen. Dem habe ich mich auch angeschlossen, weshalb ich meinen Tag in Nara gerne in Bildern dokumentieren möchte:  


Bild5: Gleich nachdem wir in Nara ankamen und einige Meter gelaufen waren, trafen wir auf unseren ersten Hirsch. Da wir noch nicht wussten, was auf uns zukomme würde, ist dieser Hirsch wohl das am häufigsten fotografierte Motiv meines Japanaufenthalts. Fast eine Viertelstunde standen wir bei dem Hirsch, streichelten ihn und machten Fotos. Die Geweihe sind übrigens bei allen Hirschen abgeschnitten, vermutlich wegen Verletzungsgefahr.


Bild6: Dies ist eine Pagode des Koufuku-Tempels, an dem wir vorbeikamen. Da zur Zeit Renovierungsarbeiten stattfanden, konnte man ihn nicht betreten. Viel gefragter als der Tempel, schien auch der angrenzende Platz zu sein, auf dem sich Japaner, Touristen und Hirsche tummelten. Im Vordergrund kann man einige Menschen sehen, die sich in der Sonne niedergelassen haben und das schöne Wetter genießen.


Bild7: Ein Gebäude, das möglicherweise auch zum Toufuku-Tempel gehört, ganz sicher bin ich mir aber nicht. Interessant sind die vielen alten Leute, die alle mit identischen T-Shirts in großen Gruppen herumliefen. Ob sie wohl zu einer Reisegruppe gehörten?


Bild8: Die Hirsche waren die Stars bei Jung und Alt. Vor allem junge Paare hatten Spass beim Füttern, doch oft waren es auch ganze Familien, wie auf diesem Bild.


Bild9: Auch Ninja wurde von Hirsche umzingelt, nachdem sie eine Portion Kekse gekauft hatte.



Film1: Ninja verfüttert ihre Kekse an die Hirsche.


Bild10: Ein Blick in den Alleeartigen Fußgängerweg neben der Hauptstraße. All die Parkflächen, Bäume und Hirsche ließen mich fast vergessen, dass ich mitten in einer Stadt war. Hier sprachen uns auch zwei ältere Damen an, um gemeinsam mit uns ein Foto zu machen. Ein wenig seltsam war es schon mit zwei Omas auf einem Bild zu posieren, schließlich wird man sonst doch eher von jungen Japanerinnen um eine Gruppenaufnahme gebeten.


Bild11: Ein Bild von den zahlreichen Hirschen, die in den angrenzenden Parkanlagen lebten und sich die Sonne auf den Pelz schienen ließen. Im Vordergrund sind einige jüngere Hirsche, die darauf warteten gefüttert zu werden.


Bild12: Ein kleines Mädchen füttert eine Hirschkuh, die mitten auf dem Gehweg Platz genommen hat. Wie oben bereits gesagt: Die Hirsche waren die Stars bei jung und alt.


Bild13: Der Aufweg zum Toudai-Tempel, der eine der wohl bekanntesten Attraktionen Japans beherbergt. Wegen des schönen Wetters ist es nicht verwunderlich, dass die Gehwege überfüllt waren. Das Tor im Hintergrund ist zwar der offizielle Eingang zum Tempel, dennoch betrat man das Gelände durch ein unscheinbares Nebengebäude.


Bild14: Die Haupthalle des riesigen Toudai-Tempels in Nara. Sie ist das größte, rein aus Holz errichtete, Gebäude der Welt.


Bild15: Eine schaurige Holzfigur vor dem Toudai-Tempel, die von den passierenden Japanern mit den Händen berührt wurde, wie man auf den Foto erkennen kann.


Bild16: Bilder, die man bereits kennt: Japaner die auf dem Tempelgelände Räucherstäbchen anzünden. Diesmal direkt vor dem großen Tor der Haupthalle, weswegen dauernd Rauch in die Hallen geweht wurde und alles ein wenig nach Räucherstäbchen roch.


Bild17: Der große Buddha von Nara thronte in der Haupthalle des Toudai-Tempels. Ich glaube er ist die größte Buddhastatue der Welt. Um seinen Kopf sieht man weitere Buddhastatuen kreisen.


Bild18: Ein Blick von der Seite zeigt viel deutlicher wie groß der große Buddha tatsächlich war. Mitsamt dem Podest, auf dem er saß, war er rund dreißig Meter hoch.


Bild19: Ich kann meine Begeisterung für die kleinen Dinge nicht verbergen, wie beispielsweise diesen metallenen Schmetterling an den Säulen des Tempels


Bild20: Ein Bild von der metallenen Statue, die zur Rechten des großen Buddha von Nara sitzt.



Bild21: Es gab noch mehrere riesige Statuen in den Hallen des Toudai-Tempels, wie beispielsweise diese Statue...


Bild21: ...oder diese Statue.


Bild22: Dies ist die metallene Statue, die zur Linken des großen Buddha von Nara sitzt.



Bild23: In einem angrenzenden Park gingen wir nach dem Besuch des Großen Buddha spazieren. Und wie in jedem Park gab es auch hier wieder Hirsche.



Bild24: Für die Hilfe bei den Reisevorbereitungen wollte ich mich bei Ayano bedanken, darum kaufte ich ihr in Nara diese Bällchen mit Schokoladenfüllung. Der Name lautet, wie das Bild bereits erahnen lässt, Hirschkot. 


Bild25: Nach einem längeren Spaziergang wollten Dominic und Ninja eine Essenspause einlegen und setzen sich in der Innenstadt auf eine Bank. Während sie aßen, beobachtete ich einige junge Musiker, die auf der Straße Werbung für ihre neue CD machten. 



Bild26: Auf dem Weg zum Kasuga-Schrein, sahen wir diese Schildkröten, die in einem kleinen See gemütlich auf einem Baumstumpf in der Sonne saßen.


Bild27: Durch diesen Wald voller Hirsche liefen wir auf dem Weg zum Kasuga-Schrein. Ich musste mir immer wieder vor Augen halten, dass dies noch mitten in der Stadt war.



Film2: Im Wald unterhielt ich mich mit einem jungen Hirsch. Wer genau hinhört, kann das Fiepen des Hirsches zwischen meinem Pfeifen  hören


Bild28: Unter einem blühenden Kirschbaum grast ein kleine Gruppe Hirsche.


Bild29: Der Aufweg zum Kasuga-Schrein war von steinernen, moosbewachsenen Laternen gesäumt.


Bild30: Da wir natürlich viel zu spät am Schrein ankamen, war der Innenhof bereits geschlossen und so begnügten wir uns mit einem Foto von Dominic und mir unter dem Vordach des Schreins.


Bild31: Die Sonne war bereits am Untergehen und es wurde merklich kühler, als ich dieses Bild von einer der vielen Steinlaternen machte, die von den letzten Sonnenstrahlen angestrahlt wurde. Frierend machten wir uns auf den Rückweg zur Bahnstation.



Bild32: In dieser Einkaufspassage direkt vor unserer Bahnstation kauften Dominic, Ninja und ich Proviant für die Fahrt nach Kyoto und die anschließende Fahrt im Nachtbus. Es war bereits dunkel, als wir einen letzten Blick in die Straßen Naras warfen, die Stufen zu unserer Bahnstation hinabstiegen, unsere Tickets lösten und in den nächsten Zug nach Kyoto einstiegen.